Die Historie des Dünnen

“Der Dünne kam aus einer armen Familie, die am Waldrand wohnte…”, so begann Garbors Geschichte, die er an einem lausig kalten Abend auf der kleinen, hölzernen Veranda zu erzählen begann. Er rieb sich die Hände und hielt seine schwieligen Hände über dem Feuer, das in dem neuen Kugelgrill brannte. Die beiden Männer, die ihm Gegenüber saßen waren in ihren Vierzigern, hatten feine Gesichtszüge und froren offensichtlich. Sie verzogen nicht eine Miene, obwohl sie schon seit mehr als einer Stunde der detailreichen und reich geschmückten Geschichte lauschten, die ihnen Garbor zum Besten gab. Der Linke, nennen wir ihn der Einfachhalt halber Terrence, rauchte und sah ab und zu drängend zu seinem Kollegen hinüber.

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Nachbarschaft

Lieber Garbor, mein Hirn löst sich auf. Ich bin absolut unfähig nach der Arbeit auch nur ein Gespräch zu führen. Gereizt, kaputt, uninspiriert und klebrig. Eventuell wachsen mir sogar zum Abend hin die Lippen zu. Nee, hier, geht nicht. Ich trinke ja noch! Aaaah, guter Anfang für ne Story. Jedenfalls ist das nur sinnbildlich gemeint. Was ich ja so ein bisschen sehr hasse, sind Insekten die sich an meinem Monitor kaputt quetschen lassen. Fliegt halt nicht her oder was auch immer. Fliegt zu den Nachbarn, die sind alt. Da könnt ihr dann auch gleich bleiben. Die trinken ja auch immer! Also so nicht wie ich: unkontrolliert und lange und am Wochenende. Eher so ständig. Immer.

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423

Garbor schlängelt sich durch die bassdurchflutete Flachdachkonstruktion entlang der klirrenden Nebelwände in Richtung Bar. Und immer schön dabei ins Glas gucken. Nur noch ekelig warme Limette drin. Bah! Wann und warum — und ist der Dünne nicht auch gerade wieder da gewesen? Hat er nicht ne Kippe in der Hand gehabt und mit dieser Blonden getanzt? Der Dünne, das ist Einer! Sicher ne Menthol-Zigarette, dieser Schlawiner. Haha. Ha. Wieder mit der Bärenmaske unterwegs und so. Verteilt diese kleinen Dinger und grinst dabei, wie so ein Zurückgebliebener. Also, kann man ja nicht sehen, weil der die Ma… schon klar, Garb. Schon klar.

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Tschüssikowski

Garbor nahm seinen Rucksack, stopfte umständlich die beiden eiskalten Flaschen Wasser hinein und winkte der Dame am Empfang freundlich zu. Er fuhr mit dem Aufzug nach unten schlenderte raus in die pralle Sonne, um das Haus herum und setzte sich an den Straßenrand. Blick aufs Handy: 16:28 Uhr, Mittwoch, 31°C. Das Horoskop des Tages empfiehlt die tempramentvollen Ausbrüche zu zügeln und an der inneren Ruhe zu arbeiten. “Ahh, danke. Wie wär’s, wenn du dich ein bisschen fickst, du schwules Horoskop.” Handy aus und in den Rucksack — auf den Boden werfen macht ja doch keiner. 460 €, pff, das donnert doch kaum n Besoffener in Rage einfach so auf den Asphalt.

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Guten Tag, ich würde gerne etwas tun.

Sie saß neben ihm auf der Bank und nestelte mit ihrer Hand an ihrem Rock herum. Sie sprach leise und monoton, fragte irgendwelches Zeug wegen Mittwoch, weil ja Anne und dieser Typ vorbeikommen wollten, (dieser Blabla mit den engen Hosen und diesem schwulen Bart — Garbor hasste ihn) und dann Abends in den einen Laden da (wo der Mongo-Freund von Blabla auflegt, voll endsupi) tanzen und Neonschuhe und Topfschnitte. Dann brach sie wieder ab und atmete viel zu unregelmäßig. Neulich neulich neulich. Warum er so unmöglich war und immer nicht zuhören würde? Dann lachte sie irgendwie bekloppt. Das war das was Garbor auffiel. Zeit verging, er zog den bitteren Geschmack hoch, verzog das Gesicht. Mehr Zeit verging und er stand auf.

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Tagesgeschäfte – Diarium eines Edelmannes (Dienstag, der 25. Mai 2010)

Mein Tag begann unüblich. Ich dankte dem Wecker die frühe Stunde gegen 5:45 Uhr, indem ich mich ein weiteres Mal gegen die Raufasertapete klebte und den Versuch unternahm, eine neuerliche Stunde Schlaf künstlich herbeizuführen. Dann: Aufstand! Ein solches Gerumpel über und neben mir, sodaß es mir versagt blieb, weiter dem Schlafe zu frönen.

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Heute keine Dingenshier…

…Bewirtschaftung. Das Lokal ist wegen einer privaten Veranstaltung geschlossen. Bitte kommen Sie nicht auf die Idee durch den Hintereingang und so. Da ist der Hund. Der sieht zwar klein aus, hat aber schon zwei Leute ganz übel… Brauchste nicht zu lachen, du Spakken! Einer von den Leuten von der Veranstaltung hat auch als Jugendlicher mal geboxt. Dem dicken Phillip hat der damals das Jochbein gebrochen, das hat so ekelig geknackt. Wie wenn man Nudeln (Spaghettini oder Capellini zum Beispiel) in der Mitte zerbricht, falls man mal so ne Brühe mit Nudeln machen mag. Ich mach in die Brühe meistens noch so n bisschen salzige Sojas0ße rein zum Schluss. Ist ne fabelhafte Idee, was? Jedenfalls haben wir auch ne Alarmanlage. Und die Klingel geht nicht, braucht man nicht zu probieren.

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eine moll-sache

“heute essen graue menschen an der seele der farbe und dabei plätschert so lari-fari eine moll-sache aus den boxen”, dachte garbor bei sich, als er die straße überquerte. “komischer gedanke”, dachte er dann gleich anschließend. aber was man nicht alles denkt. grade im frühling, da machen sich ja ne ganze menge gedanken breit. die einen denken dies und kichern dabei ganz fürchterlich viel. dann halten sie die hand vor den mund und schauen anschließend hinein. wenn sie älter werden jedenfalls. die überprüfen dann gleich, ob da verbotene gedanken dabei waren, weil man ja sich auf alles möööögliche konzentrieren muss.

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der mann der immer da war.

das der mann immer auftauchte wenn sie weinte, fiel ihr an diesem montag auf. sie schloss die tür hinter sich, ging langsam durch das treppenhaus und konnte durch die großen fenster den rest des kalten wintertages erkennen. ihr war bereits kalt als sie aus der haustür trat, wischte sich die träne unter ihrem linken auge weg und konnte ihn etwas verschwommen auf der gegenüberliegenden straßenseite erkennen.

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die moral von der geschicht

da ist er wieder! garbor, unser held. unser freund und unser bruder. unser spiegelbild der schlechten eigenschaften und der schönsten momente.
ein romantiker wie er im buche steht, ein draufgängerischer athlet, ein charismatischer poet und trinkfester charmeur wie ihn das schlimmste hollywood-drama nicht besser zeichnen könnte. und gut sieht er aus, manchmal fast ein bisschen zu gut. aber heute? heute wacht garbor mit faden geschmack auf der zunge und einem dunklen schimmern unter seinen augen auf. so steht er, halb bekleidet, vor dem kühlschrank und versucht mit zittriger hand die eiskalte milch zu trinken. nickt mit dem kopf, verschüttet die hälfte und trottet mit schlurfendem gang ins bad, wo er sich mit fiebrigem blick ins bleiche gesicht starrt.

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