Quadratmädchen

Das Mädchen stand auf der Leiter und beäugte den Dünnen. Jedenfalls dachte der Dünne das. Für ihn war es offensichtlich, weil unausweichlich. Er war schließlich der Dünne. Seine Haare lagen heute etwas beschissen, aber weil er (wie immer) die Pferdemaske trug war das auch wieder…

Der Lastenaufzug

„Jetzt hat er mich“, dachte Garbor. „Dieser verfickte Aufzug. Bleibt einfach stecken und jetzt muss ich mit so einer Landpommeranze am anderen Ende der Leitung über meine Rettungsszenarien diskutieren: Nein, nein, keine Sorge. Gesundheitlich geht es mir gut. Nein, ich habe keine Angst. Ja, Luft ist…

Das Trockene auf der Zunge

Das Trockene auf der Zunge. Das Beben in der Hand, die nicht da ist. Niemand der da ist. Weil ich nie wirklich wütend war. Nur des Dünnen Maske liegt in der Ecke, sein hageres Lachen hallt aus dem Treppenhaus. 7. Stock. Hinten raus, Parkplatz, Platanen.…

Der Delfin und die Uhrzeit

Der Delfin machte Garbor Sorgen. Ständig verstellte er den Wecker. Ach, was heißt hier Wecker? Eigentlich verstellte er alles. Das Bett war das einzige, das er noch nicht angerührt hatte. „Wie, warum? Ist doch offensichtlich: So wie es ist, ist es nicht richtig. Da stelle…

Der Flughafen isst Menschen auf.

Lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt! Der Flughafen isst Menschen auf. Erst nimmt er eine Tasche, vorsichtig achtet er darauf, dass auch niemand ihn beobachtet. Dann, wenn die Suchtrupps kommen, wird er gierig. Mann um Mann, vom Bein an, in dunkle Ecken gezerrt und schnell.…

Esprit

Im Kreis geatmet und grau kommt’s raus und dann nach links. Der Dünne und Garbor im Lotus Esprit V8 und zack an der Ampel raus. Ärmel hochgebrüllt und dem Hipster auf dem Fixie ne Nackenschelle angeboten. Aber der der duckt sich weg und plemmpert mit seinem…

Plan B

Ich bin drei Menschen in Einem, habe Durst für vier, verstehe selten zwei davon und habe kaum Zeit für einen. Ich kann mich nie entscheiden, wer von denen wofür in Frage kommt und hätte hin und wieder gerne mehr von dem Einem besuche. Oder von…

Hätte, hätte

Meine Lieblingsbeschäftigung ist starren. Ich starre in die Gegend. Wellen kommen, Bäume schweben, Menschen laufen. Alles surrt und summt, manchmal knurrt ein Hund und die dicke Verkäuferin vom Bäcker gegenüber trällert manchmal. Aber Worte? Worte höre ich keine. Das kann ich Stunden so machen, Tage,…

Pistazienparabel

Der Nibbler saß am Tisch und zählte die Schalen. „64. Nicht so viel. Sah viel mehr aus.“ „Du willst mir sagen, ich bin jetzt den ganzen Weg aus Pankow hierher gelaufen, damit du mir zeigen kannst, wie die Überreste von 7 gegessenen Pistazien aussehen?“ „Ich…

Uhrzeigerunsinn

Monologtherapie. Bis 350€ kalt. Gerne auch mit Südblakong und ohne Kinder im Innenhof. Sonst sitze ich wieder im Unterhemd mit dem Steyer am Fenster und rauche Kette. Schlüssel auf den Sekretär, Du stehst da und die Kinder rennen rein. Regen prasselt durch das offene Fenster direkt…

Achtsamkeit im Zeichen des Luftballons

Unterschiedliche Farben und Formen von Ballons im Hinterhof—ein bisschen zusammengewürfelt, ein paar Nüsschen hier und da und dann ein Spaziergang. In die Tram, aus der Tram und auf Stühle. Konversation und Getränke, manche mit Obstschalen und Kohlensäure, die wenigsten ohne Alkohol.  Da will einem die…

Tschüssikowski, Dünner

Der Dünne hatte sich aus dem Staub gemacht und keine Nachricht hinterlassen. Er war damals auch einfach genau so gekommen, obwohl Garbor im Nachhinein glaubte, er hatte ihn schon früher dann und wann in den gleichen Bars und Vierteln rumhängen sehen, in die er ging.…

Salzwasser

Manchmal, da sitze ich einfach so in meinem Stuhl und gucke so auf den Beton hinaus, gucke den Tauben beim Schlafen zu, lache über die Kinder am Spielplatz oder esse einfach nur eine Portion Pasta im Midi und dann überkommt es mich. Ich lache dann…

Schlafen

Eine weitaus ältere Fassung des Jungen, der damals schon komische Linien auf Papier brachte und mit verstellter Stimme ins Nirgendwo flüchtete, blickt mich im Spiegel an, schüttelt mit dem Kopf, lacht und hält mir eine Tablette hin. „Macht das du schlafen kannst.“ „Ich will nicht…

Der fehlende Kalender

Arschlochdonnerstag! So steht es im Kalender — aber der war seit zwei Wochen abgelaufen und stand genau deswegen auch auf dem Balkon. Wegwerfen wollte ihn ja auch keiner so recht, aber wenigstens stand er hier nicht im Weg und keiner musste ihn ansehen. Ganz nebenbei…

Pommesgesichter

Wir sitzen im Zug und der Schaffner stürmt in unser Abteil. Klitschnass schließt er die Türe, zieht die Vorhänge zusammen und fällt der kleinen rothaarigen um den Hals. „Ingeborg, ich habe überall nach dir gesucht! Was machst du denn wieder?“ Das Mädel sieht ihn verdutzt…

Pitchwochen

„Hallo!“ „Hallo?“ „Ja, sag mal, du siehst aus wie einer dieser Hipsterdesignertypen…“ „Aha.“ „Also, wir haben gerade Pitchwochen bei uns in der Agentur und bräuchten da noch jemanden, der einfach mal so ne coole integrierte Expericence und so Lean Usability of Content und so Joy…

Homeshopping

Garbor. Kaffee. Halskrause. Flughafen. Letzte Nacht: Verfolgungsjagd mit dem Dünnen durch Reinickendorf. Dünner besoffen, Garbor nüchtern. Dünner: Fahne. Garbor: Angstschweiß (aber auch, weil er dachte, er hätte morgens die Milch auf dem Herd angelassen). Latte Matschikato per Hand brauen, weil das Gerät in der Agentur…

Schnürschuh

Der Dünne saß auf dem Gitarrenkoffer und schnürte sich die Schuhe. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Hinten rum und dann links und dann hier rum und da bei dem Turm abbiegen, an dieser Bäckerei vorbei, vor der die Frau mit dem komischen Hund immer…

Lokales Biogemüse

Der Dünne starrte auf seine halb volle Cola, die bei wundervollen 9°C so richtig beschissen anfing zu schmecken – vollkommen egal wie viel Kohlensäure darin noch war. Er starrte auf die vorbeistolzierenden Menschen, überhörte Garbor, wie er mit dem kurzhaarigen Mädchen eine aufgesetzte Konversation über…