Benjamin Apfelbaum

der mann der immer da war.

das der mann immer auftauchte wenn sie weinte, fiel ihr an diesem montag auf. sie schloss die tür hinter sich, ging langsam durch das treppenhaus und konnte durch die großen fenster den rest des kalten wintertages erkennen. ihr war bereits kalt als sie aus der haustür trat, wischte sich die träne unter ihrem linken auge weg und konnte ihn etwas verschwommen auf der gegenüberliegenden straßenseite erkennen.

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die moral von der geschicht

da ist er wieder! garbor, unser held. unser freund und unser bruder. unser spiegelbild der schlechten eigenschaften und der schönsten momente.
ein romantiker wie er im buche steht, ein draufgängerischer athlet, ein charismatischer poet und trinkfester charmeur wie ihn das schlimmste hollywood-drama nicht besser zeichnen könnte. und gut sieht er aus, manchmal fast ein bisschen zu gut. aber heute? heute wacht garbor mit faden geschmack auf der zunge und einem dunklen schimmern unter seinen augen auf. so steht er, halb bekleidet, vor dem kühlschrank und versucht mit zittriger hand die eiskalte milch zu trinken. nickt mit dem kopf, verschüttet die hälfte und trottet mit schlurfendem gang ins bad, wo er sich mit fiebrigem blick ins bleiche gesicht starrt. Weiterlesen »

die gewittermaschine

garbor stand, den parka bis zum kinn geschlossen und mit vom wind zerzaustem haar, auf dem balkon und warf die schachtel geistesabwesend hinunter. das kleine fallschirmchen daran öffnete sich und er beobachtete, wie sie langsam hin und her getragen driftete und sogar kurz nach oben geweht wurde, als wollte sie sagen “so einfach wirst du mich nicht los, garb! eine gewittermaschine kann man nicht kaufen und auch nicht einfach so wieder weggeben. eine gewittermaschine bekommt man, weil es an der zeit ist”. Weiterlesen »

Joaõ

Garbor stand am Fenster, rauchte und hörte eine blecherne Version von L.A. Woman aus dem staubigen Radio, das auf dem Küchentisch stand. Er wollte sich beruhigen aber das verdammte Geklimper lenkte ihn ab. Motel, money, murder, madness — Turn the mood from glad to sadness.  “Pff, Morrison, Du Arsch. Ich bin schon nervös genug. Halt deine Klappe”, lamentierte er gelangweilt ohne seinen Blick von der Einöde die vor ihm lag zu nehmen. Ihm taten die Augen weh vom stundenlangen starren aus dem Fenster. Staub, Wind, Sand, Sonne. Sonst nichts. In dieser verfickten Einöde passierte nichts und genau das machte ihm Sorgen. Weiterlesen »

dermo und der spaten des glücks

ein titel wie ein orkan. das dachte sich auch dermo, als er im vorgarten seines schwippschwagers mit seinem fimo ein gewagtes experiment lostrat. ein titel wie ein wiegenlied für eine leiche, ein gedicht von robert frost, ein versprechen von einer solch gewaltigen tragweite, dass sich die menschheit danach sehnen würde. wer kam eigentlich immer auf die ideen? die ideen zu allem möglichen müssten doch einen ursprung haben, überlegte dermo.
er trat die billigen fimo-figuren um, zog seinen lederwams über das ungebügelte hemd und machte sich schnurstracks auf den weg zu gott. Weiterlesen »

holunderkrieg

fips hindenburg war im meeting, den konnten wir nicht fragen. er hätte uns sicher weitergeholfen, aber es war vollkommen illusorisch ihn da vor 1600h rauszubekommen. alles mal wieder “on hold” wie die tussi aus der produktion kaugummikauend bemerkte, als sie mit ihrem holundersaft an uns vorbeischlurfte. also weiterschlafen. 1355h und mir ist schwindelig. keine drei wochen mehr zeit bis zur abgabe und bis ich wieder mit trinken anfange. nicht so schwul ein bier und hahahahaha – paar erdnüsschen dazu. richtig halt. wir gehen in den keller, wo es entsetzlich kalt ist, und kramen in den grauen boxen rum, in denen die aufnahmen vom letzten wochenende eigentlich sein sollten. sindse aber nicht. Weiterlesen »

ein mensch und seine vorstellung vom krieg

lardo, jahrgang 1926, erinnert sich der verbrechen die er nicht begangen, aber gedacht hat. ein ausflug in gedankenpolizei-esque wahnvorstellungen eines kriegverweigerers und vollzeit-alkoholikers. begleiten sie lardo auf seinen wegen in seine traum-vergangenheit, ein abyssisches theaterspiel voller lallender monologe, ein querverweis auf opiatmissbrauch und die farbe himbeer. Weiterlesen »

bis wir bluten

krieg? das war gar kein ausdruck. alles war vollgestellt, töpfe in töpfe gestapelt, bis zur decke und unter den schränken, im kühlschrank, in der spüle und auf getränkekästen. als garbor seinen weiten kapuzenpulli auszog, fiel ihm ein topf direkt aus der kapuze vor die füße. er sackte zusammen, fiel auf den boden und schob mit seinen armen und beinen die töpfe von sich, stieß einige um, die dann sofort auf ihn fielen. er ruderte noch stärker mit den armen – versuchte sich krampfhaft aus dem chaos zu befreien. Weiterlesen »

aufräumen muss sein

am morgen nach dem vorfall mit frau dingenskirchen fühlte sich garbor schuldig. er zog sich eine frische boxershorts an, ging in die blitzblank geputze küche und schaute aus seinem großen fenster. im vorgarten war nichts zu sehen. hatte er nicht gestern abend in einem wahnsinnigen anfall alle töpfe aus dem fenster katapultiert? er ging ins wohnzimmer, von da auf den balkon und rutschte von der dort montierten rutsche in den garten. alles war “pikobello”, genau wie die gedrungene dame es gewünschte hatte. er setzte sich inmitten des erdbeerfeldes und schloss die augen. garbor versuchte sich krampfhaft zu erinnern. er fiel sanft zur seite und schlief in der sengenden mittagssonne ein. Weiterlesen »

das fängt ja gut an

das gesicht gezerrt mit einem kurzen seufzer suchte garbor das verflixte ding namens messer. einen apfel schneiden wollte er nur fix und dann hatte er die gesamte küche umgegraben. letzter jahr wahr es das selbe: müsli wollte er und dann putzte er fenster bis nach mitternacht, dann noch auflauf vorbereiten und staubsaugerbeutel austauschen. er war nach sicherlich kein besonders fanatischer putzteufel oder ein pedantischer sauberling, aber er hatte diese macken. manchmal ging es einfach nicht anders. Weiterlesen »