Der komischste Mann der Welt

dieses goldene oktobersonnending blendet mich gewaltig durch die schmutzige scheibe meines fensterplatzes. ich werde ab und zu brutal durchgeschüttelt und meine ungeduld verstärkt sich dadurch nur noch mehr – wann gibt es endlich wieder etwas sinnvolles in meinem kopf?

während ich also lauthals versuche, meine wirren gedanken durch ein hohles räuspern zu vertuschen fällt mir dieser mann auf. er sitzt mir fast direkt gegenüber, verzerrter gesichtsausdruck, schmale schlitze aus denen trübe augäpfel stieren. er sieht etwas ungepflegt aus – aber das könnte man im augenblick auch über mich sagen. sein wilder haarschopf wird durch eine dieser hässlichen alten hornbrillen komplementiert. dieser ddr-style eben. dazu passend presst er sich eine alte aktentasche an die brust.

jedenfalls muss er bemerkt haben, wie ich ihn anstiere, glotze und glotze. sein linkes augenlid zuckt kurz und er entledigt sich meines blickes. wie alt wird er sein, der komische mann? 45, vielleicht 48? und wie ich noch angestrengt darüber sinniere erkenne ich: das wirst du sein, mein sohn. in ein paar jahren wirst du genau so da sitzen und deine alte, abgewetzte aktentasche umklammern, die die reste deines lebens enthält.

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