Das güldene Steigeisen

das männlein lupfte eine augenbraue, langte in seine schmutziggelbe umhängetasche und gab mir die hülsen. ich schrieb. meine finger wund, die nase tropfend, der blick glasig und entseelt. während ich also so dastand und mein notizbuch vollkritzelte, hielt mir der kleine mann hinter dem marktstand eine weitere handvoll der bohnen hin. >>hierr – geh auf haus!<< danke, erwiderte ich. raoulph und ich, wir kannten uns schon seit einigen jahren. ich kam immer zu ihm, wenn ich wunderbohnen kaufen musste. ich wusste allerdings auch nicht, wo ich sonst welche hätte beziehen können.

irgendjemand hatte mir mal von so einer kinderbande erzählt, die sich im nahgelegenen peterspark aufhielt und sich mit dem verkauf der bohnen ihre zigarettenstangen verdienten. ehrlich gesagt war mir da der schmuddelige raoulph lieber. trotzdem überlegte ich es mir gut, bevor ich wunderbohnen erstand. es war nicht ungefährlich, da der verzehr und sogar schon die zubereitung der speise unter hohe strafe gestellt wurde. erst gestern liess man einen flüchtigen bekannten von mir, härry den schweden, ganz öffentlich auf dem schlosshof mit honig bewerfen.

dabei hatte er nur nach den bohnen gefragt. ich wüsste auch nicht, was härry damit hätte anfangen sollen. die wenigsten wissen das genau. ich war einer der adepten und konnte die furchtfrüchte so zubereiten, dass sie eine wirkung erzielten. dazu brauchte man jahrelange erfahrung und ein gutes gespür für die launen der kochwassergeister. die es gab. das konnte wohl niemand abstreiten, der jemals versucht hat, einen topf voll wasser zum kochen zu bringen. die kleinen gesellen konnten manchertags böswillig und ungestüm sein. wenn man sich also mit den mächten gut verstand, dann war es keine große kunst mehr, die bohnen geschmackvoll zuzubereiten.
die wirkung war meist unterschiedlich, zielte aber immer in die selbe richtung. sie machte den verzehrenden sehend für dinge, die zwischen den molekülen hausten. den schnabous. im spiegel konnte man sie sogar hinter seinen eigenen augen sehen. wie sie im kopf rumorten und schabernack ausbrüteten.  scharbernack konnte man dann entweder gedeihen lassen, dies empfahl sich zumeist, oder aber man entfernte ihn mit eselsblut und schokoladenmhyrre. wenn man zum beispiel viele schnabous erschöpft auf schabernack brütend sah, musste man die menge eindämmen, damit es den schnabous wieder gut
ging. sie waren sehr produktiv, bedürften aber einer menge pflege.

die bohnen waren also notwendig, auch wenn ich auf den pfaden der untugend wandelte. was aber hätte ich sonst machen sollen? ich wäre bald vor den toren der stadt als schwachsinniger in den kuhmist geworfen worden. so pflegte ich lieber meine schnabous und erntete die saat, die sie mir legten. es war nicht immer eine freude, aber mehr als das eine aufgabe und eine bestimmung. denn alsbald wollten mir die schnabous das geheimnis des güldenen steigeisens legen. ich konnte es kaum mehr erwarten und suchte hinter meinen augäpfeln beinahe täglich nach geeigneten nistplätzen.

manchmal juckte es auch einfach nur. ach – diese schnabous!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.