Die Abenteuer des Lupo Fantastico

~inzusammenarbeitmit
HerrnKashmirKohlbauch~

Lupo Fantastico hatte sich NICHT getäuscht. heute morgen noch wollte er sich ein volleres haupthaar vorgaukeln, indem er farnkraut und gräserpollen aus seinem gewächshaus auf seine stirn geklebt hatte. die witterung draussen hatte nun aber alles zunichte gemacht. lupo lief wie eh und je mit einer friedvoll glänzenden vorkopfglatze umher. „scheisse“, dachte lupo. und das schon zum dritten male an diesem tage. jimmy popanz wartete derweil seit einer geschlagenen woche auf lupo. beide hatten ein lockeres treffen vereinbart und wollten sich, mal so zwischendurch und mittendrin, über wichtige geschäfte unterhalten. dinge, die ihrer beider karriere wieder auf die sprünge helfen sollte. dazu hatte sich popanz bereits 4 gespitze bleistifte und einen dicken karierten block besorgt.

popanz hatte einen plan, den er mit sauberem strich auf die karierten seiten des blocks gezeichnet hatte. ein kreis in der mitte des papiers stellte das „geld der welt“ dar. von diesem kreis gingen mehrere krakelige linien sternförmig zum blattrand hin. um den kreis herum hatte popanz ebenfalls zwei grosse, blaue punkte gesetzt, unter denen „jimmy“ und „lupo“ stand. beide dieser punkte hatten ausserdem kindliche greifarme vom künstler geschenkt bekommen, die ungelenk einige der krakellinien umfassten. popanz grinste. er wusste, dies war ein guter plan. wenn bloss lupo bald kommen würde. der treffpunkt am hafen war scheisse ausgewählt. gerade hier an den auffällig gestrichenen roten pollern kam jeden tag die fette fischfachfrau und preiste mit ihrer kehligen stimme aale, sprotten und tintenfische an. jimmy hatte sich bereits kerzenwachs in die ohren geschmiert, weil er es einfach nicht mehr ausgehalten hatte. das gekreische war zuviel des guten. an den geruch hatte er sich schon gewöhnt. ihm konnte man nichts so leicht anhaben. er lachte und entblößte makellos ungepflegte zähne, zwischen denen noch wurstfetzen vom vortage umherbaumelten.
so saß er also tagein, tagaus neben dem stinkenden fischstand und wartete zunehmend nervöser auf lupo, der sich langsam und behende auf den weg zu machen schien. lupo war nicht besonders hell, wenn es um wege ging. oder zeiten. oder laufen. Am Kay kam eine Zeitung vorbeigeweht, in der zuvor noch stinkender Fisch eingewickelt war. Er konnte aber dennoch ganz deutlich das Gesicht von seinem alten Freund Lupo auf einem der Seiten ausmachen. Popanz griff sich das Blatt und las. Lupo war Tage zuvor der große Jackpotgewinner im Lotto gewesen uns das Foto stellte einen zufriedenen und frohen Lupo dar, der im folgenden Interview auf über zwei Seiten über seine Pläne schwadronierte und wie schön es wohl in der Karibik sein soll. Seinen Namen konnte er nirgends in dem Artikel entdecken. Popanz fragte sich insgeheim, ob sein alter Freund wohl noch kommen würde… Dabei sollte er sich doch nun ein Mofa leisten können, um schneller an den verabredeten Ort zu gelangen. kaum hatte popanz die zeitung zu einem unförmigen bällchen zusammengenknüllt und mürrisch in das sumpfige hafenwasser geworfen, da erblickte er auch schon von weitem ein gramgebeugtes figürchen,

deren umrisse denen von lupo zu gleichen schienen. „na, freunschän! dir wer ick helfen…“ dachte sich popanz und schnappte sich kurzerhand einen eimer fischköpfe und eine riesige walfischgräte, mit der er lupo zu verprügeln gedachte. doch natur und ungleichgewicht gepaart mit schmierigen innereien auf unebenem hafenboden brachten popanz zu fall. er taumelte und stürzte in das niedrige hafenbecken.
lupo hatte alles mit weit aufgerissenen augen gesehen und eilte seinem geschäftsfreund zur hilfe. er streckte jimmy seinen langen arm hin und deutete mit einem nervösen kopfnicken an, jimmy solle sich daran hochziehen. da lupo nicht der kräftigste war, fiel sein geplantes unterfangen buchstäblich ins wasser. mit seetang und quallenscheisse benetzt blickten sich beide nun im hafenbecken an. die stimmung schien etwas gereizt, doch lupo wusste nicht so recht, weshalb. er zog die strin kraus und wollte etwas zur begrüssung sagen. statt dessen ergoss sich ein schwall bräunlichen brackwassers aus seinem mund und lupo brachte nur ein klägliches würgegeräusch zustande.

jimmy war sich nicht sicher, ob lupo überhaupt etwas gesagt hatte. er deutete mit seinen grossen, behaarten pranke auf seine ohren und schrie: „KERZNWACHS, EY! ICK VASTEH KEEN WORT! LAUTER! DU MUSS LAUTA REDN!“ lupo war entsetzt. irgendwie verfluchte er diesen tag. scheisse, dachte er bei sich. und das schon zum siebten male in dieser woche. neben ihm schwamm unbemerkt ein halb aufgelöster lottoschein. der gelbe zettel passte farblich prima zum braunen hafenwasser. manche dinge sind eben anderweitig betrachtet harmonisch.

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