Kinderkrankheit
der himmel wollte einfach nicht mehr ergrauen. seit wochen schon herrschte bestes klima vor, die sonne erhob sich gegen halb fünf über den horizont und erhellte die folgenden tage mit ihren mandaringetränkten strahlen. vögel, insekten und getier labten sich an der warmen luft und ließen dem spieltrieb freien lauf. alles schien in einer art von außen induzierter fröhlichkeit zu ersticken. kaum noch sah man falten in den gesichtern der menschen, die auf ein grübeln oder gar unzufriedenheit schließen ließen. die welt ertrank im freudentaumel. gesättigte farben wohin das auge blickte. doch nach einiger zeit zeigten sich die ersten veränderungen. die frau von gegenüber hatte plötzlich keine kraft mehr in den gesichtsmuskeln. ihr gesicht zerfiel in einen grauenhaften lappen aus rosiger haut, der an ihrem schädel umherwaberte. kraftlos versuchte sie trotz allem, zu lächeln. denn es war ja sonst alles schön! doch sie machte ihr antlitz damit nur noch schlimmer.und sie war nicht die einzige. bald gab es keine schönheit mehr im land. der stete drang nach bewegung ließ die menschen als auch die tiere letztendlich an ihre grenzen stoßen. niemand war mehr in der lage, sich über einen längeren zeitraum zu bewegen. alles lief verlangsamt ab. alles hing schlaff und kraftlos, taumelnd und dennoch bemüht, positiv nach vorn zu blicken. kinder stolperten über bald fiel alles in sich zusammen. nur die sonne erstrahlte jeden tag auf’s neue. |