bis wir bluten

krieg? das war gar kein ausdruck. alles war vollgestellt, töpfe in töpfe gestapelt, bis zur decke und unter den schränken, im kühlschrank, in der spüle und auf getränkekästen. als garbor seinen weiten kapuzenpulli auszog, fiel ihm ein topf direkt aus der kapuze vor die füße. er sackte zusammen, fiel auf den boden und schob mit seinen armen und beinen die töpfe von sich, stieß einige um, die dann sofort auf ihn fielen. er ruderte noch stärker mit den armen – versuchte sich krampfhaft aus dem chaos zu befreien.


vor dem fenster saß ein eichhörnchen mit einem kleinen cello auf dem rücken.

garbor atmete flach. er zog sich aus und war sehr, sehr müde. er lächelte das eichhörnchen an, aber das schüttelte langsam den kopf. er zeigte mit dem finger auf sich und das unnatürlich große tier nickte ihn jetzt an.
garbor lief langsam zum küchenfenster um es zu öffnen – er wollte das eichhörnchen etwas fragen, aber aus seinem mund kamen nur schüchterne krächzlaute. „tu es, garb, tu es.“ sprach ihn der eichhormann leise und ruhig an. garbor sprang aus dem fenster. langsam, wie in wackelpudding gehült, die arme umschlossen seinen körper und mit geschlossenen augen.

„du bist nur solange hier, wie ich es dir befehle. du stummer, einfacher tölpel. beschäftigst dich mit atmen und laufen und ruhen und machst aus deinem gehirn einen klumpen lehm, der langsam in der sonne trocknet. du bist ängstlich, du zitterst dir die ideen vom leib, du bist sogar zu feige zum wegrennen und malst dir die lippen grell, um dich selber zu irritieren. ach was, garbor, du bist mein liebster freund. der einzige dem ich je getraut habe, seitdem der andere mann gegangen ist und ich keine lust habe mehr mit jemandem ernsthaft zu reden. wozu auch? bis wir bluten, aus nase und mund und dein atem versiegt, weil mein atem versiegt sind wir freunde.“

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