Joaõ

Garbor stand am Fenster, rauchte und hörte eine blecherne Version von L.A. Woman aus dem staubigen Radio, das auf dem Küchentisch stand. Er wollte sich beruhigen aber das verdammte Geklimper lenkte ihn ab. Motel, money, murder, madness — Turn the mood from glad to sadness.  „Pff, Morrison, Du Arsch. Ich bin schon nervös genug. Halt deine Klappe“, lamentierte er gelangweilt ohne seinen Blick von der Einöde die vor ihm lag zu nehmen. Ihm taten die Augen weh vom stundenlangen starren aus dem Fenster. Staub, Wind, Sand, Sonne. Sonst nichts. In dieser verfickten Einöde passierte nichts und genau das machte ihm Sorgen.


Eigentlich war es Angst, Sorgen hätte er verschieben können, mit Angst ging das nicht so einfach. Joaõ Guzman Fernandez machte ihm Angst. Also eigentlich nicht Joaõ selbst, sondern das er noch immer nicht da war. Er hätte gestern Nachmittag bereits wieder aus Flagstaff zurück sein sollen. Mit dem Geld, mit einer Antwort, mit einem „Lass uns endlich aus diesem Loch verschwinden, Garb!“ auf den Lippen.
„Hurensohn, verdammter“, murmelte er gegen die traurig wippenden Stimmen, die aus dem Lautsprecher krochen, trank einen kleinen Schluck Whiskey und zündete sich die nächste Zigarette an. „Wenn Du mich hier sitzen lässt, verdammter…“ — doch Garbor konnte den Satz nicht beenden, weil seine Augen am Horizont einen kleinen dunklen Punkt ausgemacht hatten und sein Mund halb geöffnet aufhörte zu funktionieren.

Der Punkt kam näher, wurde zu einem mitternachtsblauen Auto, das eine Tonne Staub nach sich zog der gesamten Hintergrund vollständig ausfüllte. Garbor nahm seine Krücken und humpelte langsam zur Tür, stieß sie auf und schlurfte über den schattigen Vorplatz dem näher kommenden Auto entgegen. Sein verschwitztes Hemd wurde augenblicklich steif von der umher wirbelnden Erde und er musste eine Hand vor sein Gesicht halten um den anschwellenden Hustenreiz zu unterdrücken.

Das Auto war ein schwarzes Oldsmobile 442, ein unrasierter, lateinamerikanisch aussehender Mann Ende zwanzig, in einem blütenweißen kurzärmligen Hemd saß am Steuer, der versuchte die Schwingungen des riesigen hölzernen Kreuzes am Rückspiegel mit seinen Händen zu beruhigen. Dann stieg er aus und kam langsam auf Garbor zu. Er hatte einen beachtlichen dunkelroten Fleck in der Höhe seiner linken Niere.

„Hola pendecho… du lebst ja immer noch“, sagte er in einem leisen, aber freundlichen Ton, während sich sein Gesicht zu einer grinsenden Geste verzog, die ihn offensichtlich große Mühe kostete, „Ich dachte, du wärst längst weg?“

„Du hast unser einziges Auto, falls es Dir entfallen sein sollte… Und ich hatte grade angefangen den Skorpionen Kunststückchen beizubringen – was man halt macht, wenn man auf eine Viertelmillion wartet.“

„Braune oder weiße Skorpione?“

„Weiße. Hadrurus arizonensis wenn ich mich nicht irre. Und wer hat auf Dich geschossen?“

„Die Reichen. Ich hab ihnen auch Kunststückchen beigebracht, aber die fanden sie blöde. Kannst Du fahren?“

„Kein Problem, Robin of Loxley, lass uns machen das wir hier wegkommen.“

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