Guten Tag, ich würde gerne etwas tun.

Sie saß neben ihm auf der Bank und nestelte mit ihrer Hand an ihrem Rock herum. Sie sprach leise und monoton, fragte irgendwelches Zeug wegen Mittwoch, weil ja Anne und dieser Typ vorbeikommen wollten, (dieser Blabla mit den engen Hosen und diesem schwulen Bart — Garbor hasste ihn) und dann Abends in den einen Laden da (wo der Mongo-Freund von Blabla auflegt, voll endsupi) tanzen und Neonschuhe und Topfschnitte. Dann brach sie wieder ab und atmete viel zu unregelmäßig. Neulich neulich neulich. Warum er so unmöglich war und immer nicht zuhören würde? Dann lachte sie irgendwie bekloppt. Das war das was Garbor auffiel. Zeit verging, er zog den bitteren Geschmack hoch, verzog das Gesicht. Mehr Zeit verging und er stand auf.


„Findest Du nicht ‚Es ist nicht Deine Schuld‘ ist ’ne nette Alternative zu ‚Lass uns Freunde bleiben‘ und ‚Ruf mich nie wieder an‘?, fragte er, während er dem dicken Jungen beim schaukeln zusah. Das Gerüst ächzte unter seinem Gewicht und seine Sommersprossen schienen auf die Schaukel abzufärben. Oder auf die alte Frau neben dem Gerüst. Ihr Mann war kürzlich verstorben und sie fühlte sich einsam und fehl am Platze und kam deswegen jeden Abend heraus. Vielleicht war der Dicke ihr Enkel? „Das ist wirklich die interessanteste Art ein Gespräch nach fünf Minuten Pause wieder anzufangen, Hut ab Garbor. Was soll denn das für eine Frage sein?“

Aus dem Nichts tauchte der Dünne auf. Der Dünne hatte wieder die Bärenmaske auf und rauschte auf die Beiden zu. Er tauschte ihren Kopf gegen die Bärenmaske aus und hielt die Hand auf. Garbor spuckte aus und gab ihm ein paar Zwanziger. „So wie immer, aber mach nicht immer so einen Alarm. Und keinen Wort zu Anne, ich bin vor Mittwoch wieder da.“ Der Dünne nickte und holte das kleine Heft heraus, steckte es Garbor in die Innentasche seiner Jacke, flüsterte ihm noch etwas zu, wobei seine (ihre) langen Haare seine Wange berührten und machte sich auf den Weg.
Garbor atmete beruhigt aus, steckte sich eine Zigarette an und atmete den leicht bläulichen Rauch in Richtung da nach hinten, wo dieses vietnamesische Restaurant war. Sicherlich 300m entfernt, aber er stellte sich vor, der Rauch wäre Kaliumnitrat das langsam auf’s Bun Bo Nam Bo rieselte. Oder war das thailändisch? „Pfff, Fotzentouristen, echt mal“ nuschelte er bevor er sich langsam auf den Weg machte. Es quälte ihn nur eine einzige Frage: Warum wurde es auf einmal besser als vorher und doch nicht und warum gehen manche Launen doch einfach nicht weg? Halt! Das sind ja zwei Fragen.

Der Dünne war wieder da.
„Sag mal, warum tauchst du immer mit dieser Bärenmaske aber ohne Oberteil auf, Dünner?“
„Damit man sieht, wie dünn ich bin. Was willst Du, Garb? Ich hab Dir alles gegeben, was Du brauchst!“
„Woher willst du wissen, was ich brauche? Du Spindelhoans!“
„Soll das eine Beleidigung sein?“
„Nein.“
„Gut.“
„Gib noch mehr. Los!“
„Isn’t.“
„Fack.“
„Es heißt Fuck.“
„Du kannst ja wohl kaum sehen, ob ich nen A oder nen U spreche?!“
„Russel Crowe ist fett geworden irgendwie. Aufgedunsen. Macht das Anabolika, wa?“
„Halt die Fresse, ich muss langsam los.“
„Wie Du meinst, ruf an, wenn Du was brauchst.“
„Klar, Alter.“

(Es folgte eine übertriebene Handshakeprozedur, total unangemessen für die Beiden und in dieser Situation. So ein Pseudo-Gang-Ding. Nur halt von Hipstern.)

„Ach ey, eine Sache noch, Garb… Was ist, wenn du merkst das Du nur so verwirrte Sachen machst und schreibst und absolut im unklaren bist, was gerade passiert und auf einmal ist der Whisky alle?“
„Dann gehe ich schlafen und hoffe, das demnächst mal wieder was richtig wichtiges passiert. So etwas emotional einschneidendes, etwas was einen beunruhigt oder freut oder glücklich macht oder verzweifeln lässt und sprach- und atmenlos und einem das Gefühl gibt, nicht so durchschnittlich zu sein.
„Dann kannste ja nur hoffen das der Whisky nicht alle geht.“

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