Nachbarschaft

Lieber Garbor, mein Hirn löst sich auf. Ich bin absolut unfähig nach der Arbeit auch nur ein Gespräch zu führen. Gereizt, kaputt, uninspiriert und klebrig. Eventuell wachsen mir sogar zum Abend hin die Lippen zu. Nee, hier, geht nicht. Ich trinke ja noch! Aaaah, guter Anfang für ne Story. Jedenfalls ist das nur sinnbildlich gemeint. Was ich ja so ein bisschen sehr hasse, sind Insekten die sich an meinem Monitor kaputt quetschen lassen. Fliegt halt nicht her oder was auch immer. Fliegt zu den Nachbarn, die sind alt. Da könnt ihr dann auch gleich bleiben. Die trinken ja auch immer! Also so nicht wie ich: unkontrolliert und lange und am Wochenende. Eher so ständig. Immer.

Wir haben so Container im Innenhof zu stehen und wenn der Wertstoff-Gelbe-Tonne-Dingens noch nicht mal halb gefüllt ist — mit ausgeschleckten Joghurtbechern, fein gefaltetet Milchkartons und bis zur Unkenntlichkeit ausgedrückten Shampooflaschen — dann sind die beiden Flaschen-Container schon randvoll. Wein, Weinbrand, Eierlikörchen, Omas Schokogeheimnis. Machen alles meine Nachbarn. Und diese Wertstoffnazis, die trinken ja selber kaum. Die meckern dich nur behindert an, wenn du alles in eins wirfst. Fahren aber selber über jede rote Ampel mit ihren Öko-Klapprad, der coole Manager im Auto muss dann ausweichen, damit Dörte nicht umgerotzt wird. Puh, gerade noch geklappt, leider aber frontal in die Frau mit Zwillingskinderwagen reingeballert. Sofort tot. Alle drei. Fahrerflucht. Der Mann/ Vater erfährt davon, bekommt Depressionen, kündigt seinen Job, Schlafstörungen, fängt an zu trinken und labert mich dann mit seinem Elend in meiner hippen Szenekneipe voll. Und da haben wir das Problem wieder: Ich bin aktuell, in meiner jetzigen Situation, absolut nicht dazu in der Verfassung nach meinem Arbeitstag noch ein sinnvolles Gespräch zu führen.

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