Dosenbier

Garbor ging die Straße hinunter, fuhr sich durch die Haare und bemerkte, dass er das Wachs vergessen hatte. Der Dünne es hatte es sich gestern geliehen und natürlich nicht wiedergegeben (Penner!). Er war auf dem Weg ins Hotel, durch den Rucksack konnte er das Dosenbier spüren, die Zigarette qualmte vor sich hin – nur rauchen wollte er sie nicht.

„Warum sollte ich den fantastischen Geschmack von Burger King durch eine dieser ekeligen Zigaretten zerstören…“, dachte er halblaut vor sich hin und schüttelte langsam seinen Kopf.

Blue Jeans and White T-Shirts von Gaslight Anthem lief in den Kopfhörern und komischerweise stimmte das heute sogar. Garbor war schon lange kein Fan seiner blauen Jeans mehr. „Drei Stück und alle anders doof“, wie er fand, aber irgendwie hatte er eine davon heute morgen einfach angezogen. Für Frankfurt gerade egal genug.

Er nahm die Kopfhörer ab und sprach das Mädchen mit den langen brünetten Haaren und dem leicht abwesenden Blick, das ihm gerade entgegen kam an:

„Irgendwie komme ich auf Westdeutschland nicht so klar. Die Städte sind so unfassbar unnötig hier. Draußen beim Fischi, kurz vorm Niemandsland – damit kann ich wieder was anfangen. Ich mein, guck Dir den Scheiß an: Die Hochhäuser sind so weit weg von Wolkenkratzern, so belanglos und vollkommen unbeindruckend und von den Mietskasernen muss man ja gar nicht anfangen… Zum trinken, nachts: Was vollkommen anderes. Die Menschen, kein Problem. Ich mag das voll. Neulich, da war ich mit den Jungs in Essen saufen! Ein Dutzend nette Menschen kennengelernt. Feiern in Düsseldorf? Bis zum Morgengrauen, eine unfassbar coole Sache. Aber sobald die Sonne auf Eure Städte fällt will man doch entweder direkt weitertrinken oder niemals das Haus verlassen. Bonjour Tristesse!“

„Schade, nicht?“, antwortete sie, lächelte und ging weiter.

„Schade, ja.“ murmelte Garbor, nahm den Rucksack ab und ein kaltes Becks hinaus, öffnete es und trank ein großen Schluck. „Würde gerne wissen, ob es es einen direkten Zusammenhang zwischen Dosenbier und Westdeutschland gibt.“

Wenn man merkt das kurz vor Mittwoch die Luft für die Woche schon raus ist, aber das irgendwie gar nicht geht, sollte man wahrscheinlich eher laufen gehen oder früh schlafen oder was erhebendes lesen oder oder oder. Aber ich will eigentlich nur Dosenbier und Rock n Roll. Das Problem ist nur: Wenn ich mit dem Bier nicht bald aufhöre will ich sogar noch tanzen und dann kommt der eben angesprochene Westdeutschland-Effekt irgendwann wieder hoch: Nette Menschen, Angst vor der Sonne, die diese behinderten Kack-Städte in Zombieburgen verwandelt.

Letzte Woche hat mein Onkel probiert sich mit einer Überdosis Morphium das Leben zu nehmen und ich sitze in einem Hotelzimmer und trinke Dosenbier, wtf.

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