Homeshopping

Garbor. Kaffee. Halskrause. Flughafen. Letzte Nacht: Verfolgungsjagd mit dem Dünnen durch Reinickendorf. Dünner besoffen, Garbor nüchtern. Dünner: Fahne. Garbor: Angstschweiß (aber auch, weil er dachte, er hätte morgens die Milch auf dem Herd angelassen). Latte Matschikato per Hand brauen, weil das Gerät in der Agentur noch immer von Tiffy, der Agentureuele bewacht wurde. Die Idee mit der Agentureule war ihm im Spätherbst bekommen. Youtube war wie immer Schuld. Manche Menschen kauften, weil sie die Instyle lasen, andere weil sie zu fett waren von HSE24 umzuschalten, manche kauften nichts, weil sie kein Geld hatten. Garbor kaufte, weil er sich nach dem nächtlichen durchstöbern von Videos entweder gerührt oder aggressiv fühlte.

„Hör zu, du Landpommeranze, ich bin nicht deswegen CD geworden, damit ich mir von so einer dahergelaufenen eine Agentureule verbieten lasse!“

„Aber enschöldigun, isch putze hier doch nür.“

„Ja und? Wo ist die Eule?“

„Kaffeä, sizzen da rum. Gucken böse, ja, da gehsch nich mehr rein!“

„Herrje!“

Und seitdem hatte keiner mehr die Agenturküche betreten. Garbor setzte sich in seinen unbequemen aber wichtigen Vitra-Stuhl und zündete sich eine Zigarette an.

„Hören sie, sie können hier nicht einfach ihren eigenen Stuhl mitbringen und dann auch noch rauchen. Ich muss sie bitten das Foyer zu verlassen.“

„Guter Mann, ich habe doch nicht den Veith aus Berlin mitgenommen, damit er sich um meinen Stuhl kümmert, nur damit sie mir jetzt das Sitzen verbieten!“

„Niemand verbietet ihnen das sitzen, aber eben nicht auf ihrem eigenen Stuhl und dann auch noch rauchend. Wir sind ein Hotel von Spitzenrang!“

„Wollen sie sich jetzt mit mir etwa in eine Diskussion über Eigentum an sich unterhalten? Wenn ich auf meinem eigenen Stuhl nicht sitzen kann, wozu habe ich ihn dann? Zum ansehen? Wer bin ich? So ein Lackaffe mit ner Villa der Kunst sammelt? Bist du behindert? Da wo du herkommst, da stehen vielleicht die Q7s und AMGs und so ein schwuler Prius vor der Tür – da wo ich herkomme stehen Einkaufswagen mit abgesägten Ketten vor der Tür.“

„Ich komme aus Herford.“

„Haha, das tut mir so leid.“

„Ja mir auch.“

„Also pass auf, ich mach dir ein Angebot: Ich mach die Kippe aus, ich rauch die eh nur, weil ich den Werbevertrag habe und du lässt mich auf dem Stuhl sitzen. Ich bin ja nur hier um den berühmten Eulenfänger Herr Dünner zu treffen.“

„Er heißt nur Dünner, nicht Herr.“

„Achso?“

„Ja und da kommt er auch schon.“

Und so begann die Freundschaft von Garbor, dem seltsernannten Emporkömmling und Schwerenöter und dem Dünnen, der stets mit seiner Pferdemaske bekleidet machte, wonach immer ihm gerade war.

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