Schnürschuh

Der Dünne saß auf dem Gitarrenkoffer und schnürte sich die Schuhe. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Hinten rum und dann links und dann hier rum und da bei dem Turm abbiegen, an dieser Bäckerei vorbei, vor der die Frau mit dem komischen Hund immer rumsteht. Manchmal verteilt sie Zettel auf denen steht

„Drei Tage Schweigen. Nach dem ersten willst du brüllen, nach dem zweiten bekommst du Kopfweh von der Stille, nach dem dritten willst du nie wieder sprechen.“

Ich hätte ja gerne einen genommen, aber der Dünne war strikt dagegen. Ich mochte die Zettel. Papier von Gmund (Blocker perfect white, 100 g/m²), Typo Sentinel Semibold von Hoefler & Frere-Jones in Pantone 426 C. Die Frau hatte sich echt Mühe gegeben. Und außerdem war da ihr komischer Hund. Der Hund hatte so gelbe Ohrenwärmer auf. Ja, es war Januar und arschkalt, aber die Dinger sahen aus wie lächerliche  Eierwärmer aus den 80ern.

„Garb, nee, ey! Lass ma besser… Du weißt ja nicht wohin das führt!“

„Es ist ein Zettel, Dünner. Ein Zettel! Wohin soll der führen?“

„Ja, aber haste gelesen was da drauf steht?“

„Schweigen?“

„Ja, aber drei Tage.“

„Und?“

„Was, wenn es einem gefällt?“

„Na, dann. Dann schweigst du einfach weiter. Dann motzt du weniger, du regst dich weniger über dich und alle auf, weil du mit dem doofen reden eh nischt veränderst.“

„Ich würde jetzt gerne weiter.“

„Ich nicht, ich würde gerne was trinken und die Fresse halten.“

„Deal.“

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