Der Flughafen isst Menschen auf.

Lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!

Der Flughafen isst Menschen auf. Erst nimmt er eine Tasche, vorsichtig achtet er darauf, dass auch niemand ihn beobachtet. Dann, wenn die Suchtrupps kommen, wird er gierig. Mann um Mann, vom Bein an, in dunkle Ecken gezerrt und schnell. Ganz schnell. Bis auf das Plastikschild bleibt nichts übrig. „Klaus hat’s erwischt“, heißt es dann bei einem Kaffee ganz lakonisch. Beiläufig fast. Die Menschen hier wissen es, die Reisenden, die erwischt es selten. Mal eine ältere Frau, ein Rehpinscher, mal ist ein Kind, ein lockiges, dran. Aber meist sind es die alleinstehenden, älteren Männern mit Schmerbauch und Halbglatze, die es erwischt. Die wachsen ja auch wie an Bäumen der Zeitarbeitsfirmen, die einen diabolischen Pakt mit den Flughäfen haben und weggucken. Wer würde jemanden wie Klaus auch vermissen? Er arbeitete am Gepäckband, meist Terminal 2. Eines Nachmittags war er mit der Spätschicht für einen Flug aus Rom zuständig. Als der beige-braune Schalenkoffer vom Transportband fiel und Klaus die folgenschwere Entscheidung fällte, waren seine letzten Atemzüge besiegelt. Rechts die Treppe runter in Richtung Keller und die eiserne Tür auf. Schummeriges Licht und dort, der Schatten eines Koffers. Klaus? Klaus! Klaus!!

Lassen Sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt. Der Flughafen isst Menschen auf.

 

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