Der Lastenaufzug

„Jetzt hat er mich“, dachte Garbor. „Dieser verfickte Aufzug. Bleibt einfach stecken und jetzt muss ich mit so einer Landpommeranze am anderen Ende der Leitung über meine Rettungsszenarien diskutieren: Nein, nein, keine Sorge. Gesundheitlich geht es mir gut. Nein, ich habe keine Angst. Ja, Luft ist gut. Nein, habe nichts angefasst, bin nicht gehüpft oder so. Ja, unter dem Sitz ist eine Rettungsweste. Ja, ich sehe die Trillerpfeife und das Licht daran. Was ich an habe? Nun ja, ich habe einen neuen Kaschmirschal zu Weihnachten bekommen und…“

Garbor hatte sich fest vorgenommen nie wieder im Leben eine Treppenstufe zu laufen.Natürlich würde es eine Reise zum Machu Picchu ausschließen. Er würde nie wieder den Petersdom von oben erleben dürfen. Irgendwie müsste er auch seine innere Bewunderung für Rocky Balboa verdrängen. Der hatte ein gutes Verhältnissen zu Treppen gehabt. Naja.

Erwachsene Menschen die heute noch Treppen stiegen hielt er für borniert. „Schaut mal her, wie agil ich mit meinen 412 Jahren noch bin, dank DoppelherzVor allem aber erinnerte es ihn an 20 Jahre Hochhaus. Früher waren sie mit dem Aufzug um die Wette gerannt. Vom siebten Stock bis nach unten — fast 4 Sekunden schneller als der Aufzug. Das bedeutete, das eigentlich jeder der zehnstufigen Absätze gesprungen werden musste. Kein Problem, wenn man 13 ist, weniger wiegt als eine Katze und ungefähr genauso gut abfedert. Versuch das mal mit 37 zu machen, wenn du professionell auf Stühlen sitzt und vollzeit Club Mate trinkst. Außerdem wollte sich nicht an das Hochhaus erinnern. Er wollte nach oben! Um 10 Uhr gab es ein tolles Meeting. Mit Deadlines, Scopes und Latte Matschikato! Und einer Liveschaltung nach Sonstwohin, wo eine Runde Bekloppter im Kreis redeten:

„Sorry, bin aus der Leitung geflogen. Also, Albrecht, du wolltest uns gerade nochmal den Research zu der Zielgruppe zeigen. Heißt es jetzt den Research oder das? Wie bei Nutella oder? Hahahaha ha ha haaa.“

Das gute an diese Meetings war, dass man sie nutzen konnte, um eine kleine Geschichte zu schreiben.

Schließlich öffnete sich die Tür der Aufzugs, ein freundlicher grau-melierter Herr bat ihn heraus und Garbor machte sich auf den Weg zum Treppenhaus.

 

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