Quadratmädchen

Das Mädchen stand auf der Leiter und beäugte den Dünnen. Jedenfalls dachte der Dünne das. Für ihn war es offensichtlich, weil unausweichlich. Er war schließlich der Dünne. Seine Haare lagen heute etwas beschissen, aber weil er (wie immer) die Pferdemaske trug, war das auch wieder egal. Daran könnte es nicht liegen, wenn sie denn nicht gucken würde. Aber wenn sie nicht gucken würde, was würde sie dann machen? Und wenn es nicht seine (für das Mädchen unsichtbaren) Haare waren, woran sollte es liegen, dass sie nicht guckte? Sie guckte. Musste sie ja. Auf der Leiter gab es einfach nicht anderes zu tun. Sie hatte auch keine Malerklamotten an oder einen Bohrhammer in der Hand oder so. Nur diese neuen, beigefarbenen Air Max Thea. Wahrscheinlich guckte sie auf seine Schuhe. Und sie fragte sich sicher, ob er guckte. Alleine daher musste sie schon! Er hatte schließlich auch Air Max an. Diese Geschichte könnte also auch ganz einfach ‚Hipster mit Air Max und ohne Hobbies (Bianco)‘ heißen. Heißt sie aber nicht. Sondern Quadratmädchen.

„Sag mal, hast du mich angeguckt eben?“

„Nee, du mich?“

„Nee, wieso?“

„Dachte so, weil du ja fragst.“

„Achso, nee. Coole Schuhe aber.“

„Du auch.“

„Tschüss.“

Und schon wieder etwas, das man in eine coole Bildunterschrift bei einem Instagram-Kaffeefoto am Wochenende verwandeln konnte: „Das Quadratmädchen und ich — ein Drama in null Akten“ oder um die englischensprechenden Follower nicht zu verprellen „Me and bae, lulz“

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