Im Zug nach Nordsüden

Garbor saß im Zug. Zwei Mal an einem Tag. Einmal nach Norden und dann wieder nach Süden. Er hatte ein bisschen das Gefühl, das er im Kreis fahren würde. Das war bedingt allerdings eine etwas pathetische Beschreibung seiner Gesamtsituation und er verdrängte das Gefühl sofort.

Beim ersten Mal aß ein kleiner Junge Chicken McNuggets mit Ketchup und Majonäse. Beim zweiten Mal waren alle müde. Dafür war die Luft furchtbar und es roch ganz leicht nach Erschöpfung und Füssen.Beide male regnete es. Ihm persönlich waren die McNuggets lieber – Regen hin oder her.

Er stellte sich vor, der Zug würde von einem Drachen angegriffen werden. 48 Erschreckte, keine Toten. Der Drache hatte in der Sekunde vom Zug abgelassen, als ihm bewusst wurde, das es der Neuausrichtung der Marke „Drache“ an sich stark schaden würde, wenn er ein absolutes Inferno hinterlassen würde.

Garbor erinnerte sich an den Vortrag einer Kollegin, die in einem gemeinsamen Workshop folgendes Fazit gezogen hatte:

„Ursprünglich liegen Grausamkeit und Schrecken verbreiten natürlich direkt im Kern ihrer Marke. Wenn sie jedoch ihre Zielgruppe von anderen Qualitäten, wie Weisheit und Zurückhaltung überzeugen wollen, hilft eine reine Awareness-Kampagne und ein neuer Claim nicht! Dann müssen sie das auch beweisen! Hic rhodus, hic salta, wie es so schön heißt! Wie bei BP quasi.“

Eigentlich war dem Drachen das erstmal egal, aber mit seinen großen Händen fiel es ihm unwahrscheinlich schwer, dem Shitstorm im Social Media kurze, beruhigende Nachrichten entgegenzuschreiben.

So setzte der Zug mehr oder weniger unbeschadet seinen Weg in Richtung Berlin fort und Garbor hatte die Möglichkeit, sich erneut mit seiner Gesamtsituation auseinander zu setzen.

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