Labile Seitenlage

Garbor war müde.

Das war unfassbar untertrieben.

Er war so unmotiviert, dass er Angst hatte, vom Stuhl zu fallen und einfach so liegen zu bleiben. Er überlegte noch den Dünnen anzurufen, damit er ihn in die stabile Seitenlage drehen konnte, um nicht an Sabber und Demotivation ersticken zu müssen. Aber diese Sorge war eigentlich vollkommen unbegründet. Denn er war einfach viel zu müde um umzufallen.  Es war ganz einfach so: Es würde nichts passieren. Nichts von alldem, was er sich vorgestellt hatte oder was er sicht vorgenommen hatte. Eigentlich ganz interessant, insbesondere wenn man bedachte, dass…

„Sach ma, du Hirni. Ich steh jezz hier seit 5 Minuten im Eingang und frage mich ernsthaft, ob du tot bist. Bist du tot, Garbor?“

„Ich glaube nicht.“

„GGGut.“

„Ist dem so?“

„Jap, wir sind nämlich verabredet. Ick komm doch nicht den ganzen Weg von Dings hierher, damit ick dir beim sabbern beobachte und dann wieder abhaue. Dann kann ich auch in Spinnandau in der Fußgängerzone sitzen und den alten Leuten beim einkaufen zugucken. Ich weiß ja nicht, ob du schon mal in Spandau warst. Aber das ist jetzt nicht unbedingt der Ort, an dem ich meinen Montag-Abend verbringen will.“

„Wieso?“

„Weil da nischt los is. Desdawegen. Was braucht man denn noch für n Grund?“

„Aber, mein Freund, ist es denn nicht gut, wenn auch mal nichts los ist? Bei mir ist gerade wieder so viel los, das ich gelangweilt davon bin. Kennst du das nicht?“

„Nee. Ick bin n einfacher Mensch, Garb. Wenn viel los ist, ist viel los. Wenn nich, nich.“

„Aha. Und was machen wir jetzt?“

„Woher soll ick dis wissen? Du hast mich doch eben anjerufen und gesagt, du hättest eine Idee, die alles verändern würde und ich soll sofort herkommen.“

„Hab ich das? Interessant. Ich meine, klar. Ich hab ne Menge Ideen. Neulich zum Beispiel gedacht, was wäre, wenn man mal einfach ausrasten würde und statt ner Vier-Käse-Pizza, ne Acht-Käse… Ich hab eigentlich keine Ahnung. Muss ich vergessen haben.“

„Pff.“

„Ich glaube, ich habe Prosecco im Kühlschrank…“

„Bingo. Scheint ja doch die grandiose Idee zu sein, von der du vorhin gesprochen hast. Da sind ja schon mal zwei meiner Hobbies perfekt bedient.“

„Zwei?“

„Dinge die im Kühlschrank sind – ganz allgemein und Prosecco im Speziellen.“

„Klasse. Dann hol mal fix, ich versuche währenddessen die Augen wieder aufzumachen.“

Die Moral von der Geschicht: Keine Ahnung, keine echte Idee, aber Saufen.

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