Langsam, langsam

„Is hab hööööstens einem virtel Liter kntus, Graaabo. Hössstens!“

Garbor beobachtete den Dünnen, wie er vorsichtig zur Seite taumelte und das Mädchen dabei langsam lächelnd an ihrer Hand drehte, während ihr Kleid beiläufig seine Beine streifte. Alles in Zeitlupe und alles in einem wunderschönen Licht von Tulpen und Pastell, einem seltsam satten Bass und einem Gefühl von Vetiver und Bergamotte.

Manchmal dachte er, der Dünne, was ein Typ.

Jedes Mal, wenn jemand sagte ‚Don’t rush‘, machte der Dünne zwei Schritte zurück, ging zu Bar und bestellte Shots. Nur um dann mit einem wunderschönen Gemälde einer schottischen Landschaft und einem neuen Tattoo zurückzukommen.

„Graaabor. Du musst eines vstehn. Die meisten Menschen nhmen sich für die falschn Sachen zu viel Zeit. Die denken, man sollte nichts überstüzn, weil sie Fozn sind. Weil sie denken, das man mit denken alles hinbekommt. Aber: Nee. Stimmt nicht. Postrationalisierungfozn. Dis is was es is. Verstehste?“

„Teilweise, mein unbekleideter und betrunkener Freund, teilweise.“

„Nichts überstüzn. Bisschen ma gucken, vielleicht ist morgen wieder alles in Ordnung, nach einem Bier nach Hause, Vernunft ist der Mutter der Porzellanfoze. Du weisst was ich meine. Stell dich nicht so an. Du bis so einer, manschmal.“

„Und jetzt?“

„Nee, diesma bisse es nicht. Diesma nich, Garb. Diesma ausatmen und losrenn. Gewitter und Regen – wunderschöner Frühlingsregen, wilde Haare und alles klatschnass und zun heulen. Diesmal 38 Grad und schwül und auf der Bettkante sitzen, rauchen, aufs Meer starren und atmen. So wunderschön und so echt. Diesmla machste alles richtig, selbs, selbs wenn nich.“

Und die Nackenhaare melden sich zur Standing-Ovation.

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