Wagen 5, Platz 35

„Willkommen im ICE nach Hamburg, wo es heute ganz leicht nach Döner und Aufbruchsstimmung riecht. Wir werden unser Ziel heute voraussichtlich erreichen. Machen sie es sich gemütlich, rauchen sie so viel es geht — Ich habe eine Wette mit den Jungs aus Wagen 4 am laufen… Danke!“

Garbor nahm auf Sitz 35 platz. 30 Sekunden später schrie ein Kind gegenüber wie am Spieß.

„Hätte die verdammten Noice Canceling Dinger nie gegen das Lustige Taschenbuch tauschen dürfen.“

So drang durch die billigen, chinesischen In-Ear-Kopfhörer trotz voll aufgedrehtem schwedischen Hiphop noch ein dumpfes Schreien durch.

Nachricht vom Dünnen: „Grüße aus dem Bett meiner Nachbarin.“

Was antwortet man auf sowas? ‚Glückwunsch? Oha? Es ist vierzehnuhrdreißig mein Lieber, tu mal was für die Rente?‘ Stille.

Das Gesicht der Mutter des kleinen Schreihalses sprach Bände: „Was meinste denn wie mir das dabei geht? Könnte alles sein! Durchfall, Zähne, einfach keinen Bock hier zu sein. Ich hab ihn auch schon gefragt, aber in dem Alter bekommst du nichtmal ne patzige Antwort…“

Denkste das wird mit patzigen Antworten besser? Na viel Glück jedenfalls. Atmen.

Nächste Nachricht vom Dünnen: „Scherz. War n Scherz. Was machste in Hamburg?“

Der Zug fuhr. Das Kind spielte mit einem halben Apfel. Nur der leise Geruch von Döner wollte einfach nicht verschwinden.

Was mach ich in Hamburg? Am nächsten Kapitel arbeiten – das mach ich da. Hoffen, das die Sonne wieder so unfassbare Farben und so wundervolle Schatten schenkt – das mach ich da. Einfach unfassbar Lust haben – das mach ich da. Ich hätte nie gedacht, dass ich Arbeit mal so beschreiben würde – das mach ich da.

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