Autor: Klaus Feratu

Eigentlich

Eigentlich wollte ich was Neues schreiben. Eigentlich wollte ich vor Wochen, ach Tagen. Eigentlich wollte ich schon längst mal wieder. Aber Pfeffi ist ja auch ganz geil. Außer morgen, da ist Pfeffi dann wieder scheiße. Das wollte ich eigentlich auch schon längst mal wieder eher nicht…

Träumen

Herr Nibbler stand auf der Tastatur und staunte nicht schlecht. „Porös. Kann man nicht anders sagen. Commodore wahrscheinlich.“ Er machte twei Schritte nach links, twei nach geradeaus und schloß die Türe hinter sind. Hinab, hinab, twanzig Schritte den roten Teppich hinab, Stufengepoltere folgend; kurz in den Briefkasten gelugt…

Im Zug nach Nordsüden

Garbor saß im Zug. Zwei Mal an einem Tag. Einmal nach Norden und dann wieder nach Süden. Er hatte ein bisschen das Gefühl, das er im Kreis fahren würde. Das war bedingt allerdings eine etwas pathetische Beschreibung seiner Gesamtsituation und er verdrängte das Gefühl sofort.…

Hofburg

Der Dünne saß auf einem Absatz in einem der vielen verwinkelten Innenhöfe der Wiener Hofburg und trank Bier. Es war bereits am Dämmern, gerade waren die antiken gelb-orange-farbenen Lichter im Hof angegangen, aber das Termomether zeigte noch immer 33°C. „Ey, hier!“ Er winkte Garbor hinüber und beklerte…

Das unerreichbare Krokodil

Garbor betrat das Schlafzimmer in seinem Wochenendhaus und staunte nicht schlecht. An der Decke in der rechten, hinteren Ecke des Zimmers hatte sich ein kleines, ungefähr 50 Zentimeter längliches, grünliches Tier geklammert, das ihn irgendwie an ein Krokodil erinnerte. Er ging näher auf das Wesen zu,…

Kurz vor Sommerzeit

Des Nibblers Beine waren kurz angezogen. Sommer. Jedenfalls bald. Und darauf sollte man sich schließlich vorbereiten. Denn den Sommmer mochte noch jeder: Eis und Möpse. Was der Nibbler hingegegen mochte (Eis und Möpse waren ihm schnuppe), war der vereitelte Duft von Veilchen. Ab und an…

Tram vs Club

Tram vs Club

Der Dünne drängelte. „Lass ma rein ey, ich werd nüchtern. Ich kann mich nicht ertragen, wenn ich nüchtern werde!“ Garbor guckte in die Schlange, zuckte mit den Schultern und zündete sich eine Parisienne an. „Ich weiß nicht, Dünner, ich glaube ich will nach Hause.“ „Ja, Alter,…

Die Iden des März

Entgegen aller Erwartungen wird es wieder Frühling. Draußen, vor der Tür, geht es wieder los. Die Art, wie man den Brustkorb herausstreckt und das Flackern der Augen in der U-Bahn. Das knistern in der Stimme und das kurze Stocken zwischen den Sätzen. „Magst du noch Obst…

Des Waldes Dunkel

Mit 15 auf ner Party kennengelernt. Graffiti, Basketball, Boogaloo. Abitur und Operationen, aber Kunst nimmt uns keiner. Wegrennen in der Nacht, weitermachen in der Nacht. Mit dem roten Escort von der Clayallee nach Wedding zu deiner Bestrahlung und wieder zurück. Praktikum, Multimedia CD-ROM. Gemeinsame Ausbildung,…

Quadratmädchen

Das Mädchen stand auf der Leiter und beäugte den Dünnen. Jedenfalls dachte der Dünne das. Für ihn war es offensichtlich, weil unausweichlich. Er war schließlich der Dünne. Seine Haare lagen heute etwas beschissen, aber weil er (wie immer) die Pferdemaske trug, war das auch wieder…

Der Lastenaufzug

„Jetzt hat er mich“, dachte Garbor. „Dieser verfickte Aufzug. Bleibt einfach stecken und jetzt muss ich mit so einer Landpommeranze am anderen Ende der Leitung über meine Rettungsszenarien diskutieren: Nein, nein, keine Sorge. Gesundheitlich geht es mir gut. Nein, ich habe keine Angst. Ja, Luft ist…

Das Trockene auf der Zunge

Das Trockene auf der Zunge. Das Beben in der Hand, die nicht da ist. Niemand der da ist. Weil ich nie wirklich wütend war. Nur des Dünnen Maske liegt in der Ecke, sein hageres Lachen hallt aus dem Treppenhaus. 7. Stock. Hinten raus, Parkplatz, Platanen.…

Der Delfin und die Uhrzeit

Der Delfin machte Garbor Sorgen. Ständig verstellte er den Wecker. Ach, was heißt hier Wecker? Eigentlich verstellte er alles. Das Bett war das einzige, das er noch nicht angerührt hatte. „Wie, warum? Ist doch offensichtlich: So wie es ist, ist es nicht richtig. Da stelle…

Der Flughafen isst Menschen auf.

Lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt! Der Flughafen isst Menschen auf. Erst nimmt er eine Tasche, vorsichtig achtet er darauf, dass auch niemand ihn beobachtet. Dann, wenn die Suchtrupps kommen, wird er gierig. Mann um Mann, vom Bein an, in dunkle Ecken gezerrt und schnell.…

Esprit

Im Kreis geatmet und grau kommt’s raus und dann nach links. Der Dünne und Garbor im Lotus Esprit V8 und zack an der Ampel raus. Ärmel hochgebrüllt und dem Hipster auf dem Fixie ne Nackenschelle angeboten. Aber der der duckt sich weg und plemmpert mit seinem…

Plan B

Ich bin drei Menschen in Einem, habe Durst für vier, verstehe selten zwei davon und habe kaum Zeit für einen. Ich kann mich nie entscheiden, wer von denen wofür in Frage kommt und hätte hin und wieder gerne mehr von dem Einem besuche. Oder von…

Hätte, hätte

Meine Lieblingsbeschäftigung ist starren. Ich starre in die Gegend. Wellen kommen, Bäume schweben, Menschen laufen. Alles surrt und summt, manchmal knurrt ein Hund und die dicke Verkäuferin vom Bäcker gegenüber trällert manchmal. Aber Worte? Worte höre ich keine. Das kann ich Stunden so machen, Tage,…

Pistazienparabel

Der Nibbler saß am Tisch und zählte die Schalen. „64. Nicht so viel. Sah viel mehr aus.“ „Du willst mir sagen, ich bin jetzt den ganzen Weg aus Pankow hierher gelaufen, damit du mir zeigen kannst, wie die Überreste von 7 gegessenen Pistazien aussehen?“ „Ich…

Uhrzeigerunsinn

Monologtherapie. Bis 350€ kalt. Gerne auch mit Südblakong und ohne Kinder im Innenhof. Sonst sitze ich wieder im Unterhemd mit dem Steyer am Fenster und rauche Kette. Schlüssel auf den Sekretär, Du stehst da und die Kinder rennen rein. Regen prasselt durch das offene Fenster direkt…

Achtsamkeit im Zeichen des Luftballons

Unterschiedliche Farben und Formen von Ballons im Hinterhof—ein bisschen zusammengewürfelt, ein paar Nüsschen hier und da und dann ein Spaziergang. In die Tram, aus der Tram und auf Stühle. Konversation und Getränke, manche mit Obstschalen und Kohlensäure, die wenigsten ohne Alkohol.  Da will einem die…