Autor: Klaus Feratu

Hätte, hätte

Meine Lieblingsbeschäftigung ist starren. Ich starre in die Gegend. Wellen kommen, Bäume schweben, Menschen laufen. Alles surrt und summt, manchmal knurrt ein Hund und die dicke Verkäuferin vom Bäcker gegenüber trällert manchmal. Aber Worte? Worte höre ich keine. Das kann ich Stunden so machen, Tage,…

Pistazienparabel

Der Nibbler saß am Tisch und zählte die Schalen. „64. Nicht so viel. Sah viel mehr aus.“ „Du willst mir sagen, ich bin jetzt den ganzen Weg aus Pankow hierher gelaufen, damit du mir zeigen kannst, wie die Überreste von 7 gegessenen Pistazien aussehen?“ „Ich…

Uhrzeigerunsinn

Monologtherapie. Bis 350€ kalt. Gerne auch mit Südblakong und ohne Kinder im Innenhof. Sonst sitze ich wieder im Unterhemd mit dem Steyer am Fenster und rauche Kette. Schlüssel auf den Sekretär, Du stehst da und die Kinder rennen rein. Regen prasselt durch das offene Fenster direkt…

Achtsamkeit im Zeichen des Luftballons

Unterschiedliche Farben und Formen von Ballons im Hinterhof—ein bisschen zusammengewürfelt, ein paar Nüsschen hier und da und dann ein Spaziergang. In die Tram, aus der Tram und auf Stühle. Konversation und Getränke, manche mit Obstschalen und Kohlensäure, die wenigsten ohne Alkohol.  Da will einem die…

Tschüssikowski, Dünner

Der Dünne hatte sich aus dem Staub gemacht und keine Nachricht hinterlassen. Er war damals auch einfach genau so gekommen, obwohl Garbor im Nachhinein glaubte, er hatte ihn schon früher dann und wann in den gleichen Bars und Vierteln rumhängen sehen, in die er ging.…

Salzwasser

Manchmal, da sitze ich einfach so in meinem Stuhl und gucke so auf den Beton hinaus, gucke den Tauben beim Schlafen zu, lache über die Kinder am Spielplatz oder esse einfach nur eine Portion Pasta im Midi und dann überkommt es mich. Ich lache dann…

Schlafen

Eine weitaus ältere Fassung des Jungen, der damals schon komische Linien auf Papier brachte und mit verstellter Stimme ins Nirgendwo flüchtete, blickt mich im Spiegel an, schüttelt mit dem Kopf, lacht und hält mir eine Tablette hin. „Macht das du schlafen kannst.“ „Ich will nicht…

Der fehlende Kalender

Arschlochdonnerstag! So steht es im Kalender — aber der war seit zwei Wochen abgelaufen und stand genau deswegen auch auf dem Balkon. Wegwerfen wollte ihn ja auch keiner so recht, aber wenigstens stand er hier nicht im Weg und keiner musste ihn ansehen. Ganz nebenbei…

Pommesgesichter

Wir sitzen im Zug und der Schaffner stürmt in unser Abteil. Klitschnass schließt er die Türe, zieht die Vorhänge zusammen und fällt der kleinen rothaarigen um den Hals. „Ingeborg, ich habe überall nach dir gesucht! Was machst du denn wieder?“ Das Mädel sieht ihn verdutzt…

Pitchwochen

„Hallo!“ „Hallo?“ „Ja, sag mal, du siehst aus wie einer dieser Hipsterdesignertypen…“ „Aha.“ „Also, wir haben gerade Pitchwochen bei uns in der Agentur und bräuchten da noch jemanden, der einfach mal so ne coole integrierte Expericence und so Lean Usability of Content und so Joy…

Homeshopping

Garbor. Kaffee. Halskrause. Flughafen. Letzte Nacht: Verfolgungsjagd mit dem Dünnen durch Reinickendorf. Dünner besoffen, Garbor nüchtern. Dünner: Fahne. Garbor: Angstschweiß (aber auch, weil er dachte, er hätte morgens die Milch auf dem Herd angelassen). Latte Matschikato per Hand brauen, weil das Gerät in der Agentur…

Schnürschuh

Der Dünne saß auf dem Gitarrenkoffer und schnürte sich die Schuhe. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns. Hinten rum und dann links und dann hier rum und da bei dem Turm abbiegen, an dieser Bäckerei vorbei, vor der die Frau mit dem komischen Hund immer…

Lokales Biogemüse

Der Dünne starrte auf seine halb volle Cola, die bei wundervollen 9°C so richtig beschissen anfing zu schmecken – vollkommen egal wie viel Kohlensäure darin noch war. Er starrte auf die vorbeistolzierenden Menschen, überhörte Garbor, wie er mit dem kurzhaarigen Mädchen eine aufgesetzte Konversation über…

Creme Brühleh und Geld zurück!

„Hallo, ich hätte gerne eine Creme Brühleh, der Herr.“ „Das macht drei sechzig, bitte schön, sehr recht vielma..“ „Ist ja gut, her damit, ich verhungere hier gerade, das sehen sie doch!“ Der Dünne machte sich über seine Zwischenmahlzeit her, als würde es keinen Morgen…. ach…

Hals-und-Schotbruch

„Wünsch ich Dir sooooo sehr, wuiiii“, schallt es aus dem rosafarbenen Schwein und wieder dreht er seine Runden. Besoffen auf der Kirmes – auch wenn sie nur im Kopf stattfindet. Dünner und ich wieder mal auf Trebe, Frankfurt am Mizzain, Flaschenbier statt Dosenbier, Frightened Rabbit…

Vierzehntausnmiionen

„Hmmmsngrml, verdammte Axt! Dieser unfassbare Dingenshier…kirchen, Asher Roth! Warum bringt der nicht mal wieder ne Platte raus? 2009 ist das gewesen, oder? Garb?“, fragte der Dünne, während er sich die Umhängetasche um den Hals band und der schmalbrüstigen Blonden mit dem Lippenstift vor der Visage herumfuchtelte.…

Dosenbier

Garbor ging die Straße hinunter, fuhr sich durch die Haare und bemerkte, dass er das Wachs vergessen hatte. Der Dünne es hatte es sich gestern geliehen und natürlich nicht wiedergegeben (Penner!). Er war auf dem Weg ins Hotel, durch den Rucksack konnte er das Dosenbier…

Nach drei Tagen ist Schluss

Kehlkopfentzündung, wtf?! Nach drei Tagen Krankheit will man wieder raus. Kann mir kaum vorstellen, wie Bruce Lee damals so lange im Krankenhaus rumhängen konnte. Der hat ja damals mit seiner Frau zusammen das Jeet-Kune-Do geschrieben. Das habe ich vor 15 Jahren mal gemacht ne Weile.…

Poke

„An jeder Scheiß-Stelle“, sage ich und knalle die Tür in mein eigenes Gesicht, während sich draußen das Gewitter auf seinen dramatischen, aber viel zu späten Auftritt vorbereitet. „Anderhalbstunden, Du Pimmel!“, fahre ich fort, blaffe mehr die Wand als die Praktikantin mit dem viel zu weiten…

Gebäude

menschen fallen von gebäuden aufkommend, krachend, krakelend, platzend und schwelend. menschen fallen von gebäuden gebäude nicht auf menschen, nein. so war’s — doch so wird’s nie wieder sein. menschen fallen von o herab! der welt, in ihrem trapp-tarrapp, macht das nichts, sie lacht sich schlapp: „ihr menschen…