Nebel, 16.07 Uhr

Der Sonntag fühlte sich so an, wie der letzte Tag bevor die Schule wieder losging. Nur mit dem Unterschied, dass nicht Sonntag war und am nächsten Tag nichts wieder los ging.

Garbor stand exakt in der Mitte des Nebels, seine Hände vibrierten im Takt der Einschläge und Tropfen fielen ihm im in die Augen. Mochte an den appen Haaren und Augenbrauen liegen, am Regen oder der schönen Schnitzerei auf seiner Stirn.

Er setzte sich hin und las den Zettel, den der Dünne ihm gegeben hatte, bevor er im Nebel verschwand.

Ich wäre gerne.

Ich wäre gerne Teil von etwas,
besonders und überhaupt.
Oder wenigstens —
Wenigstens ein bisschen da.

Nein, viel mehr als das.
Ich wäre gerne Alles.
Jederzeit und immer, 
gewollt und gebraucht,
gelacht und gekonnt.

So einfach wie atmen Unterwasser
So einfach wie 

Ich wäre gerne.
ich wäre einfach gerne du.

Ach je, Dünner. Wer will schon Ich sein? Wer will schon er selbst sein? Man selbst sein, das bringt so viele Probleme mit sich. Man muss sich ständig mit sich herumschlagen und sich zuhören, aushalten und verstehen. Was meinst du denn, warum so viele Leute Beziehungen führen, Kinder bekommen, zu Schalke gehen oder jeden Tag zu Arbeit?

Aber eines Nachts wachen alle auf. Sie stehen im Nebel und haben Angst. Die Augen müde, die Hände voller Blut. Sie stehen da und fragen sich, ob noch ein Nachtbus fährt, ob sie die WhatsApp-Nachricht noch zurückrufen können oder ob sie besser noch einen Slivovic trinken, weil eh schon alles egal ist. Sie schlafen mit dem Gesicht auf der Bar ein, und wenn der morgen endlich da ist, ist ihr ganzes Leben voll mit Mundgeruch.

Garbor steht auf und brüllt in den Nebel.

„Du redest die ganze Zeit mit dir selbst. Die ganze verfickte Zeit. Weisst du das eigentlich? Huh? Du kannst jetzt wieder rauskommen, ich hab keine Lust mehr! Ich weiß nicht mal mehr worauf eigentlich.“ 

Also zeichne dein Gesicht in etwas Fahlem, rück dir das Herz zurecht, brüll die Haare hoch und sieh in den Spiegel. Akzeptiere die dünne Linie zwischen hier und ich.

Und so atmet Garbor aus und geht einfach weiter.
Einer muss es ja machen.

 

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