Kaugummisonntag

„Neulich habe ich meinen Rucksack saubergemacht. Erst habe ich alles ausgeräumt und dann in die Waschmaschine getan. Als ich ihn rausnehme sehe ich, da ist ein Kaugummi dran, unten und an den Dingern hier, diese Bänder.“

„Aha.“

„Das hat total lange gedauert den abzupopeln. Hab mir dann ein Messer genommen und alles langsam und sauber abgeschabt.“

„Und?“

„Als ich fertig war war Mittwoch.“

„Und wann hast du angefangen?“\

„Das ist das Problem: Ich weiss es wirklich nicht.“

Garbor steht auf, holt sich ein Glas Wasser und guckt die Monstera in der Ecke seiner Wohnung an. Sie sieht ein bisschen so aus, als würde sie gleich ‚Ach herrje‘ sagen. Er geht zum Fenster und überlegt die Jalousie zu öffnen, entscheidet sich dann dagegen.

Er geht in den Flur und blick auf die Postkarte, die er letzte Woche von einem guten Freund bekommen hat. Vorne drauf ist ein Pool von schräg-oben zu sehen, wie ein Foto von Dino Kuznik irgendwie. An der Oberfläche welken gelbe und rote Blätter vor sich hin. An der Längsseite stehen leere Weingläser, in einem lehnt eine alte Orangenschale. Auf der Karte steht, mit blauem Füller geschrieben: ‚Vielleicht sind dies die Momente, die große Künstler zu Alkoholikern gemacht haben. Grüße aus Tuxford, A.‘

Und so vergeht eine weitere Stunde, in der sich der Tag anfühlt, als ob man kurz vor dem ins Bett gehen einen Cracker mit Sprühkäse in den Mund genommen hättest. Wenn du aufwachst ist die hälfte noch da und du denkst dir, das geht doch nicht.
Aber manchmal geht es eben doch.

Dann ist das einzige was man machen kann ins Auto steigen und losfahren.

Und so greift Garbor in die oberste Schublade seiner Kommode und nimmt eine Flasche Mineralwasser, eine Packung Cracker, ein Bündel Bargeld heraus, packt alles in den frisch gewaschenen Rucksack und macht sich auf den Weg.

Als er vor die Tür tritt sieht er den Dünnen, der lässig an Garbors 69er Camaro lehnt und raucht.

„Der feine Herr Garbor hat sich dazu entschieden aufzustehen. Applaus, Applaus! Wohin fahren wir denn?“

„Wieso denn wir?“

„Du glaubst ja nicht, das ich dich in dem Zustand alleine fahren lasse.“

„In welchem Zustand bin ich denn?“

„Du hast Cracker-Krümel auf dem T-Shirt.“

„Oh.“

„Ja. Ich kann fahren, wenn du magst.“

„Vielleicht besser.“

Und so setzt sich Garbor auf den Beifahrersitz, was er eigentlich gar nicht leiden kann. Das gute am Dünnen ist, der weiß immer wohin es geht.

„Hey Garbor, Fenster runter, Fenster runter! Sonst können die alten Gedanken ja nicht raus. Sonst riecht es nach dem verkochten Kantinen-Essen von gestern schmeckt nach Cola ohne Kohlensäure und überhaupt! Die alten Gedanken sind das Unkraut in der Seele. Was soll man mit alten Gedanken schon anfangen können? Nichts. Die wohnen nicht in Eichenfässern, die werden nicht besser. Die liegen auf der Leichtigkeit rum wie Zahnbelag. Die sind ein verkaterter Sonntagmorgen, ein nutzlos-vernebelter Gesang von hätte-besser-wissen-müssen in Moll — und das, das machen wir hier nicht. Nein, nein! Herr Garbor und ich, wir, wir machen ein Abenteuer!“

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