Verschwiegenheitsklausel

Verschwiegenheitsklausel

„… wenn Sie bitte hier, hier und hier unterschreiben wollen, Herr Garbor?“

„Es ist eigentlich nur Garbor, aber ja. Was ist denn das, was ich da unterschreibe?“

„Das ist unsere Verschwiegenheitsklausel. Damit verpflichten Sie sich sowohl über ihre Gefühle zu schweigen, als auch über das Schweigen zu schweigen und generell in der Sache nichts mehr zu empfinden.“

„Also, aha. Aber wie soll ich das denn machen?“

„Na hier, mit dem Federhalter überall dort, wo ein X ist.“

„Nein, ich meine, das mit dem Empfinden-Schweigen-Ding. Das geht ja so nicht.“

„Wieso geht das nicht?“

„Na, man kann doch das nicht einfach an-und-abschalten, das Empfinden.“

„Lieber Herr Garbor, dafür bekommen Sie doch noch das Elixir. Keine Sorge. Unser Elixir hat eine 98%ige Empfindungsunterdrückung. Die Klausel ist nur eine kleine rechtliche Absicherung, wenn sie verstehen.“

„Aber wer will denn sowas?“

„Wie meinen Sie das?“

„Na, wer will denn nichts empfinden und dann auch noch drüber schweigen? Das ist ja fürchterlich!“

„Lieber Herr Garbor, wollen sie etwa sagen, dass mit den Empfindungen ist hilfreich?

„Absolut.“

„Na dann: Bitte sehr. Viel Spaß damit.“

Also raus aus den Klamotten, auf der linken Seite und hinein in den kleinen, wackeligen Wagen. Direkt hinter dem Eingang zum Wasserfall prasselt es bereits auf die Schienen vor ihm. Und los gehts. Die Schienen klacken, ein Ruckeln geht durch den Wagen und Garbor fragt sich, ob das so eine gute Idee war. Der Generator springt an und die Höhle wird von einem leichten, warmen orange erhellt. Ganz langsam geht die Fahrt los, das kalte Wasser durchzuckt seinen Körper und der Wagen verlässt die Höhle. Schwerr ächzt der Wagen auf dem Weg nach oben und Garbor guckt sich um. Wasser, Stein, Schienen und die Idee einer lauen, warmen Frühlingsnacht nach einem schönen Schauer. Nach einiger Weile, in der sich die Bahn immer weiter emporwindet wird es immer steiler und sie verlassen das kleine Tal, in das sich der Wasserfall ergießt. In einiger Entfernung kann Garbor das Hotel erkennen. Er ist sich sicher, dass er auf der Terasse das Mädchen Marie sehen kann. Im Wagen hinter ihm sitzt der Dünne und raucht. 

„Garbor, wehe, du winkst jetzt.“

„Wieso sollte ich denn winken?“

„Du bist so einer.“

„So ein was für einer?“

„Ein Aus-Sicherer-Entfernung-Winker. Einer der denkt, dass man es nicht sieht. Aber das ist anders. Natürlich sieht sie das. Was noch schlimmer ist, sie spürt, dass du winkst. Die Menschen sind weder so dumm noch so einfach, wie du das gerne hättest, Garbor.“

„Quatsch. Wie soll die das denn von hier sehen? Wir sind doch voll weit weg. Und einmal kurz winken bedeutet doch nun wirklich nichts.“

„Eene meene muh, und dumm bist du. Mega die Idee. Hättest du mal das Elixir genommen, du Dödelkopp.“

„Ach was, jetzt mach mal halblang…“

Karambolage.
Mach kaputt, was du bist.
Heisere Seele.
Sei kaputt, wenn du du bist.

Offene Wunden.
Keine Zeit.
Nur noch Stunden.
Um Stunden.
Um Stunden.
Um Stunden.

Natürlich weiß Garbor: Das Elixir wäre schlau gewesen. Aber auch langweilig. Und mit Langeweile lassen sich einfach weder Anekdoten, noch Romane und schon überhaupt keine Leben schreiben. 

Eine meiner besten Eigentschaften ist noch immer, meine schlechten Angewohnheiten zu kultivieren.

 

 

 

 


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