Autor: Benjamin Apfelbaum

  • Engtanz

    Engtanz

    Es gibt viele Dinge, die wir in der Schule und der Arbeit lernen. Die meisten Dinge davon machen keinen Sinn. Sie nehmen viel Raum ein, viel Zeit und belagern das Hirn, wie die Engländer Calais um 1340. Hier ein paar Beispiele: Ablativus absolutus. Binomische Formeln. Das Periodensystem der Elemente. Zeittafeln von Kriegen. Wie man die […]

  • Verschwiegenheitsklausel

    Verschwiegenheitsklausel

    „… wenn Sie bitte hier, hier und hier unterschreiben wollen, Herr Garbor?“ „Es ist eigentlich nur Garbor, aber ja. Was ist denn das, was ich da unterschreibe?“ „Das ist unsere Verschwiegenheitsklausel. Damit verpflichten Sie sich sowohl über ihre Gefühle zu schweigen, als auch über das Schweigen zu schweigen und generell in der Sache nichts mehr […]

  • Kopf vs. Karussel

    Kopf vs. Karussel

    Auf der Kirmes steht Garbor vor dem Kettenkarussel und sieht den Kindern beim Einsteigen zu. Der Dünne winkt ihm zu, dreht sich um und klettert auf einen der Schalensitze. Garbors Schlumpfeis schmilzt, läuft an der Waffel herab und tropf wie in Zeitlupe auf den Boden, während die Sicherungsstäbe laut hörber zuklappen. Das Karussel fängt leise […]

  • Fürwahr

    Fürwahr

    Garbor und der Dünne sitzen auf der frisch renovierten Terrasse des Tuxford Falls Hotels, schälen Pistazien und rauchen. Garbor war fest davon überzeugt, dass Rauchen und Trinken zum Schreiben gehörten, wie das Schreiben an sich. Wenn es für unzählige Autoren und Musikerinnen gut funktioniert hatte, wäre es sicherlich für ihn, der nun in dieser vertrackten […]

  • Einhundert Milliarden

    Einhundert Milliarden

    „Die Frage ist, lieber Kandidat, was würden Sie mit einhundert Milliarden Euronen machen? Und denken Sie daran, nur eine einzige Antwort ist korrekt. Denn ihre Antwort entscheidet über Leben und Tod.“ Der Dünne gießt sich mit zitternder Hand ein Glas mit Nikka voll und wirft die leere Flasche ins Publikum. Dann nimmt er einen verwegen […]

  • Sabbatical

    Sabbatical

    Garbor steht vor dem Spiegel und rasiert sich. Die Uhr zeigt 23:12 an. Der Dünne kommt herein. „Ey, Garb, Auf dem Balkon ist irgendein Tier!“ „Dünner, es ist zu spät für Tiere. Was solln da sitzen? N Fuchs?“ „Na was weiss ich! Aber da sitzt halt was. Das ist doch nicht normal. Füchse können ja die […]

  • Wasserfalle

    Wasserfalle

    Ein Wasserfall klingt eigentlich gar nicht wie Wasser. Jedenfalls nicht wie gewühnliches Wasser. Nicht wie ein Pool, nicht wie eine Dusche, eine Spülung. Nicht wie Brandung, die Nachts tosend nach dir schnappt. Nicht wie Regen, wie Tränen, wie Püftzen voll Gedanken, die doch weggespült werden.  Es ist also mehr das Fallen, das den Unterschied macht.  […]

  • Schlecht temperierte Armut

    Schlecht temperierte Armut

    Garbor betrachtet das Glas, das vor ihm steht. Es ist leider noch immer da. Puh. Nichts vergeht langsamer als Zeit, wenn man sie hat und nichs mit ihr anzufangen weis. „Fahr uns nach Hause. Du bist betr unkener als ich.“ Eine wundervolle Kombination aus ausgedachter Tristesse und kultivierter Hefekultur. Eine zauberhafte Idee von dem was […]

  • Wie ich den Dünnen traf

    Wie ich den Dünnen traf

    Am meisten Angst machen mir die Leute, die nicht mit sich selber reden. Die Menschen, die keine ausgedachten Freunde haben. Die Menschen die ihre Gedanken nicht mit jemandem teilen, den sie selber erschaffen haben.  Menschen, die glauben, dass die Dinge so sind. So und nicht anders.  Ungefähr ein Drittel aller Kinder hat imaginäre Freunde. Früher […]

  • Eine Portion Leben (salzreduziert)

    Eine Portion Leben (salzreduziert)

    Garbor sitzt in einem schönen, cremefarbenen Sessel aus den 60ern in einem überdimensionalen Hotelzimmer mit den bodentiefen Fenstern, trinkt einen frischen Minztee und wartet. Nach ihrer Ankunft hatte die freundliche Dame am Empfang einfach nur gesagt „Wir haben das richtige Zimmer für sie bereits vorbereitet. Willkommen in Tuxford Falls!“ und ihm dann den Schlüssel in […]

  • Den letzten Teil fährst du.

    Den letzten Teil fährst du.

    Nach ein paar Stunden Fahrt halten Sie an einer Ampel. Der Dünne steigt aus, geht einmal um das Auto herum und steckt sich eine Zigarette an. „Den letzten Teil fährst du, Garb“, sagt er, doch Garbor weiss das ja selbst. Das Flauschekrokodil schläft, das riesige, weisse Kissen hat es halb als Matratze, halb als Kissen […]

  • Kurzwahltaste

    Kurzwahltaste

    Sie fahren nach Norden, aus der Stadt heraus. Nach nicht mal 15 Minuten sind sie auf der Autobahn und in Brandenburg. Links und rechts blüht grellgelb und unecht der Rapps. Nebenan stehen kleine große viele und vereinzelt Kühe. Halt die Luft an und konzentrier dich nur auf den Wald, dann siehst du 30 Minuten weiter […]

  • Kaugummisonntag

    Kaugummisonntag

    „Neulich habe ich meinen Rucksack saubergemacht. Erst habe ich alles ausgeräumt und dann in die Waschmaschine getan. Als ich ihn rausnehme sehe ich, da ist ein Kaugummi dran, unten und an den Dingern hier, diese Bänder.“ „Aha.“ „Das hat total lange gedauert den abzupopeln. Hab mir dann ein Messer genommen und alles langsam und sauber […]

  • Auf dem Weg nach Tuxford

    Auf dem Weg nach Tuxford

    Garbor starrt auf die Innschrift an der seltsamen Tafel vor ihm und putzt seine Brille. „Was stehtn da, Garbi?“ „Auf Wasseratmung umgestellt unddazugesellt, Arm um Arm, Arm in deinem Schoss undbloß nicht atmen, nicht zu schnell, nicht zu grell undnicht das du denkst, das denken hilft.Hilft nämlich nicht. Was hilft, ist einen Schritt zu tun undnoch […]

  • Wilkommen in Tuxford

    Wilkommen in Tuxford

    Die Tage nach dem Lockdown waren unfassbar. Garbor hatte genug gesparrt, um die Zeit so genießen zu können, wie er es sich gewünscht hatte. So, wie er sich immer gesehen hatte. Mit einem leichten Schnauzbart in seiner Lieblingsbar mit einem Glas Blanc de Noir, nichts zu tun und ein gutes Buch in der Hand. Dann […]

  • Post aus Tuxford

    Post aus Tuxford

    Diese Geschichte fängt an wie ein schlechter Film.  Eines Tages, mitten im Lockdown, kommt Garbor vom Einkaufen wieder und findet Post in seinem Briefkasten. Garbor mag keine Post. Eigentlich bekommen Menschen heute nur noch zwei Sorten von Post: Mahnungen oder Werbung. Wenn man ganz hartnäckige Verwandte hat bekommt man genau ein Mal im Jahr andere […]

  • Aufwachen in Tuxford

    Aufwachen in Tuxford

    „… wie sie also sehen: Ein Buch zu schreiben ist, wenn man ehrlich ist, eine der leichtesten Sachen der Welt. Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß heute. Sie glauben ja gar nicht, wie viel Spaß es mir gemacht hat.“ Die Menschen erhoben sich allesamt und nach einer kurzen Pause regnete es heftigen Applaus, vereinzeltes […]

  • Zu verschenken

    Zu verschenken

    „Hey, hier ist Marie, spreche ich da mit Garbor?“ „Yep, der ist dran.“ „Du, ich ruf wegen deiner Anzeige an.“ „Ja, cool. Also: Wie ich in der Anzeige geschrieben habe: Ich verschenke meine Zeit. Nicht alle natürlich. Ein bisschen brauche ich ja auch. Aber ich habe gerade ne Menge übrig und mir ist viel langweilig […]

  • Schlafanzugentzug

    Schlafanzugentzug

    „Es ist zu spät, die haben die Bomben gezündet. Das waren die letzen Worte, die ich heute Nacht gehört habe. Dann wollte ich aus dem Raum gehen, in dem mein Bruder, das Mädchen Marie und ich standen. Ich dachte, wir können noch irgendwo hin. In einen Bunker oder sowas. Ich habe die kalte Klinke der […]

  • Graupenschauer

    Graupenschauer

    Als Garbor aufwacht ist Graupelschauer. Schon das Wort klingt wie Scheisse. Wie Graupen halt.  Nur halt mit L. Aber Garbor kann nicht anders, als an Graupen zu denken. Ein Bild schleicht sich in seinen Kopf, bei der er wieder 12 Jahre alt ist und seine Mutter am Frühstückstisch vor ihm steht: „Guten Morgen, Garbileinchen, du […]