Kategorie: Geschichten von Garbor

Benjamin Apfelbaum schreibt Kurzgeschichten und kurze Essays über sich selbst, seine diversen Persönlichkeiten sowie die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.

Kurzwahltaste

Sie fahren nach Norden, aus der Stadt heraus. Nach nicht mal 15 Minuten sind sie auf der Autobahn und in Brandenburg. Links und rechts blüht grellgelb und unecht der Rapps. Nebenan stehen kleine große viele und vereinzelt Kühe. Halt die Luft an und konzentrier dich…

Kaugummisonntag

„Neulich habe ich meinen Rucksack saubergemacht. Erst habe ich alles ausgeräumt und dann in die Waschmaschine getan. Als ich ihn rausnehme sehe ich, da ist ein Kaugummi dran, unten und an den Dingern hier, diese Bänder.“ „Aha.“ „Das hat total lange gedauert den abzupopeln. Hab…

scenic landscape of road in mountainous valley against misty sky

Auf dem Weg nach Tuxford

Garbor starrt auf die Innschrift an der seltsamen Tafel vor ihm und putzt seine Brille. „Was stehtn da, Garbi?“ „Auf Wasseratmung umgestellt unddazugesellt, Arm um Arm, Arm in deinem Schoss undbloß nicht atmen, nicht zu schnell, nicht zu grell undnicht das du denkst, das denken…

Wilkommen in Tuxford

Die Tage nach dem Lockdown waren unfassbar. Garbor hatte genug gesparrt, um die Zeit so genießen zu können, wie er es sich gewünscht hatte. So, wie er sich immer gesehen hatte. Mit einem leichten Schnauzbart in seiner Lieblingsbar mit einem Glas Blanc de Noir, nichts…

Post aus Tuxford

Diese Geschichte fängt an wie ein schlechter Film.  Eines Tages, mitten im Lockdown, kommt Garbor vom Einkaufen wieder und findet Post in seinem Briefkasten. Garbor mag keine Post. Eigentlich bekommen Menschen heute nur noch zwei Sorten von Post: Mahnungen oder Werbung. Wenn man ganz hartnäckige…

Aufwachen in Tuxford

„… wie sie also sehen: Ein Buch zu schreiben ist, wenn man ehrlich ist, eine der leichtesten Sachen der Welt. Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spaß heute. Sie glauben ja gar nicht, wie viel Spaß es mir gemacht hat.“ Die Menschen erhoben sich allesamt…

Zu verschenken

„Hey, hier ist Marie, spreche ich da mit Garbor?“ „Yep, der ist dran.“ „Du, ich ruf wegen deiner Anzeige an.“ „Ja, cool. Also: Wie ich in der Anzeige geschrieben habe: Ich verschenke meine Zeit. Nicht alle natürlich. Ein bisschen brauche ich ja auch. Aber ich…

Schlafanzugentzug

„Es ist zu spät, die haben die Bomben gezündet. Das waren die letzen Worte, die ich heute Nacht gehört habe. Dann wollte ich aus dem Raum gehen, in dem mein Bruder, das Mädchen Marie und ich standen. Ich dachte, wir können noch irgendwo hin. In…

Graupenschauer

Als Garbor aufwacht ist Graupelschauer. Schon das Wort klingt wie Scheisse. Wie Graupen halt.  Nur halt mit L. Aber Garbor kann nicht anders, als an Graupen zu denken. Ein Bild schleicht sich in seinen Kopf, bei der er wieder 12 Jahre alt ist und seine…

Nachrichten aus Tuxford

„Willkommen in Tuxford Falls. Was kann ich für Sie tun?“ „Ähm, ja, Hallo. Ich, also. Ich hätte gerne eine Portion von dem veganen Gulasch.“ „Klar, gerne. Noch etwas?“ „Naja, wenn Sie so fragen: Vielleicht ein kleines Almdudler auf Eis und eine Schale Pistazien, wenn das…

Spring

Garbor hatte das Mädchen Marie vor gut zwei Jahren kennengelernt. Er hatte sie in einer Bar gesehen und sich sicherlich zwei Stunden überlegt, was er sagen könnte.  „Wie wäre es, wenn du einfach rübergehst und ‚Hallo‘ sagst.“ Der Dünne war wie immer einfach so aus…

Reisewarnung

“For what it’s worth: it’s never too late or, in my case, too early to be whoever you want to be. There’s no time limit, stop whenever you want. You can change or stay the same, there are no rules to this thing. We can…

Beförderung

Garbor betrat den rechten Raum der Galerie. Wände und Decke waren weiß, der Fußboden war glatt schwarz gestrichen, so dass sich die grellen Deckenleuchter wie in einer Pfütze spiegelten. In diesem Raum hing ein einziges großes Bild, sicher sechs Meter langes und zwei Meter hohes…

Nebel, 16.07 Uhr

Der Sonntag fühlte sich so an, wie der letzte Tag bevor die Schule wieder losging. Nur mit dem Unterschied, dass nicht Sonntag war und am nächsten Tag nichts wieder los ging. Garbor stand exakt in der Mitte des Nebels, seine Hände vibrierten im Takt der…

Untergang, 15.40 Uhr

Garbor betrachtete die Pistazienschalen in seiner Hand und versuchte sich daran zu erinnern, wie er hierher gekommen war. „Drück mir die Daumen, Garb, vielleicht schaffe ich es zum anderen Ufer. Ich hole Hilfe. Ganz sicher. Du musst dir keine Sorgen machen… ich komme wieder. Hey!…

Niemand hat die Absicht ein Leben zu führen

„(…) sondern, und das sollte ihnen direkt jetzt am ersten Tag ihrer neuen Funktion klar sein: Die Menschen wollen geführt werden. Sie wollen es genießen und lachen und die endlose Freiheit atmen, ja, das sagen sie. Das schreiben sie unter ihre Instagram-Posts und in ihre…

Ein Reisebericht

Garbor betritt den rötlich schimmernden Raum durch einen ebenso albernen wie antiquierten Perlen-Vorhang und sieht den Dünnen, wie er auf der Lehne eines braunen Cordsofas hockt. Auf dem Sofa sitzen zwei jungen Frauen mit Topfhaarschnitt und zum Platzen aufgerissenenen Pupillen, die ihre Gin Tonics umklammern,…

Herbstsituation

Heute morgen rausgefunden, dass Scott Hutchinson sich umgebracht hat. Hab im letzten Winter noch geschmunzelt darüber, dass das aktuelle Album ‚Painting of a Panic Attack‘ heißt.  Heute ist das Lachen belegt, aber die Blätter an den Bäumen funkeln wie ein warmes, einladendes Feuer. Herbst also.…

Zwischen Wolfsburg und Spandau passt immer noch ein Pils.

„Ey, Dünner. Ich hab n Fehler gemacht.“ „Tatsache? Das tut mir leid!“ „Wirklich?“ „Nicht wirklich, nein. Aber ich habe mir vorgenommen, dass ich es mal mit Empathie und motivierender Gesprächsführung versuchen könnte.“ „Warum das denn?“ „Weil ungefilterte Ehrlichkeit nicht so geil ankommt bei Menschen. Mann…